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Naturphilosophie ist derjenige philosophische Bereich, dessen Gegenstand die Natur, das Wissen von ihr und das Verhältnis des Menschen zu ihr ist.

Sie steht am Anfang der abendländischen Philosophie und ist heute vor allem durch die stürmische Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik sowie durch die Umweltproblematik motiviert.

Die Naturwissenschaften könnten bei Natur nur an gewordene Ressourcen denken. Daher brauche es wieder eine Naturphilosophie, die eine werdende Natur begreifen und in den Diskurs bringen kann.

Naturphilosophie ist derjenige Bereich der Philosophie, dessen Thema Natur, das Wissen von ihr und das Verhältnis von Menschen zu ihr ist.

Sie thematisiert die Charakteristika und Bedingungen der Möglichkeit der heutigen und geschichtlichen lebensweltlichen sowie wissenschaftlichen Naturauffassungen und geht deren Interdependenzen nach.

Ihr Aufgabenfeld lässt sich, entsprechend der traditionellen Gliederung der Philosophie, dreiteilen in die Analyse von Natur als Inhalt bzw. Gegenstand theoretischer, praktischer und ästhetischer Urteile.

Insofern Naturphilosophie Natur als Gegenstand der Erfahrungswissenschaften thematisiert, überschneidet sie sich mit der Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften.

Sie geht aber nicht – wie es manche Definitionen von Naturphilosophie unterstellen – in dieser auf.

Denn sie umfasst nicht nur eine Analyse der Methodik und gesellschaftlichen Wirkungen naturwissenschaftlicher Erkenntnis, sondern auch eine Reflexion auf Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis sowie auf nicht-naturwissenschaftliche Naturauffassungen und Naturerfahrungen.

Damit können zugleich stillschweigende ontologische Prämissen in den Blick geraten, die nicht nur vormodernen Wissenschaften, sondern auch modernen empirischen Naturwissenschaften immanent sind.

Wir werden Natur nicht begreifen können, wenn wir uns selbst nicht in den Blick nehmen.

 

Also: „Wie geht das mit der Natur?“

Es gelte, diese Frage gemeinsam zu denken und gemeinsam um die nächsten Meter zu ringen. Schwaetzer versucht sich an einer Standortbestimmung: Wir sind nicht mehr, wo und wie wir vor 2000 Jahren waren.

Doch irgendwie sind wir hierher gekommen. Wir wissen zwar nicht, wie es weitergeht, aber neigen mehr und mehr dazu, die Geschichte auszublenden.

(Die sinkende akademische Bedeutung der Geschichte der Philosophie, Ökonomie, Physik etc. macht diesen fehlenden Blick für die eigene disziplinäre Biographie deutlich.)

Der Blick wenige Jahrzehnte zurück: Noch in den 60er und 70er Jahren habe das Philosophieren über Natur einen starken Impact auf gesellschaftliche Verhältnisse gehabt.

Als später Ausläufer konnte etwa Hans Jonas für sein Prinzip Verantwortung noch 1987 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Seitdem ist zu beobachten, dass es eine sehr bedenkliche Entwicklung ist. Philosophieren über Natur sei zu reiner Naturwissenschaftsphilosophie geworden.

 

 

Als solche habe sie nichts mehr beizutragen in der Gegenwart, die gerne und ratlos Anthropozän genannt wird:

 

 

„Welt ist gut, Mensch ist schlecht und bald ist alles vorbei.“ !?

 

Die natürliche Welt ist eine Welt und kein Chaos, weil sie in sich von Natur aus geordnet oder ein Kosmos ist. Die sogenannte geschichtliche Welt ist auch nur dann eine Welt, wenn in ihr eine Ordnung herrscht,...

Alle Geschichtserfahrung bezeugt jedoch, dass die Menschen für ihr Zusammenleben, im engsten oder auch weitesten Umkreis, zwar darauf angewiesen sind,

dass es eine gemeinsame Ordnung gibt, aber nicht minder zeigt die Geschichte, dass jede solche Rechtsordnung von relativer Dauer ist, durchbrochen wird, sich auflöst und immer wieder von Neuem hergestellt werden muss, ohne jemals an ein Ende zu kommen, worin sich der Fortgang der Geschichte erfüllt.

 

 

 

 

Zentrale Aufgaben heutiger Naturphilosophie

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Wird Natur erfahrungswissenschaftlich verstanden, können sich die Aufgaben der Naturphilosophie mit denen anderer Disziplinen überschneiden (z. B. Ökologie, Wissenschaftsphilosophie, Bioethik).

Natur ist aber auch als Gegenstand der nichtwissenschaftlichen (z. B. lebensweltlichen, ästhetischen, religiösen) Erfahrung Thema der Naturphilosophie.

Im Unterschied zu nichtphilosophischen Disziplinen, die sich mit Natur befassen (z. B. Physik, Biologie) steht in der Naturphilosophie die Bestimmung des Naturbegriffs im Vordergrund.

Die naturwissenschaftliche Erkenntnis ermöglicht heute technische Veränderungen der Natur, die dadurch ihren ehemals unverfügbaren Charakter verliert und in wachsendem Maß zum Handlungsgegenstand wird.

Zu den Kernaufgaben von Naturphilosophie im 21. Jahrhundert gehört es, über die so entstandenen Gestaltungspotenziale und Freiräume ebenso nachzudenken wie über die Grenzen und Bedrohungspotenziale von technologischen Eingriffen in natürliche Gegebenheiten.

Neben terminologischen Konsequenzen für den Naturbegriff und dessen ontologische Ausdeutung sind hierbei vor allem auch anthropologische, kulturelle und ethische Konsequenzen in den Blick zu nehmen.

Wie haben die neuen technischen Gestaltungsspielräume unser Verständnis der Relation von Natur und Technik, unser Bild des Lebendigen und das Selbstverständnis des Menschen bereits verändert?

Die Geschichte der Naturphilosophie wird üblicherweise auf den Kontext der abendländischen Philosophie beschränkt. Philosophische Theorien der Natur haben sich in Europa vornehmlich in bestimmten Zeitabschnitten entwickelt, wobei die Periodisierung durch die Herausbildung der neuzeitlichen Naturwissenschaft eine charakteristische Zweiteilung erfährt:

Vereinigte die vorneuzeitliche Naturphilosophie religiöse, philosophische und erfahrungswissenschaftliche Erkenntnis, so hat die neuzeitliche Naturwissenschaft von Anfang an eine eigenständige Thematisierung beansprucht, die ausgehend von experimentellen Erfahrungen und mathematischen Modellvorstellungen zu Begriffs- und Theoriebildung gelangt.

Als große vergangene Epochen der Naturphilosophie gelten die Vorsokratik, die Renaissance und frühe Neuzeit sowie der Deutsche Idealismus. Die technische Veränderbarkeit der Bestandteile und Organisationsstrukturen von Natur lässt auch die Zugehörigkeit des Menschen zur Natur fraglich werden und führt zudem zur Auflösung bisheriger Gattungsgrenzen innerhalb der Natur.

Wenn aber nicht mehr eindeutig bestimmbar ist, wo die Grenze zwischen menschlichem und vor-, außer- und übermenschlichem Leben verläuft, dann verlieren die gattungsspezifischen Zuschreibungen ihren tradierten Sinn und neue Bestimmungen sind gefordert.

Zur Naturphilosophie und zu ihren Aufgaben sind von der Antike bis in die Gegenwart hinein die unterschiedlichsten Positionen vertreten worden.

Sie reichen von der grundsätzlichen Ablehnung einer naturphilosophischen Erkenntnis bzw. Disziplin (z. B. Platon, F. Engels) bis zu ihrer Erhebung in den Stand einer philosophischen Fundamentallehre (z. B. Aristoteles, F. J. W. Schelling).

Gegenwärtige positive Aufgabenbestimmungen verstehen unter Naturphilosophie oftmals nur eine spezielle Richtung der theoretischen Philosophie. Unter dem Eindruck der Umweltproblematik haben aber auch verstärkt die praktischen Fragestellungen Eingang gefunden.

Zusätzlich scheint es zweckmäßig, die Thematisierung ästhetischer Erfahrungen von Natur als gesonderten Bereich aufzunehmen. Eine Dreiteilung der naturphilosophischen Aufgaben in einen theoretischen, praktischen und ästhetischen Bereich übernimmt die traditionelle Gliederung der Philosophie.

Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass Naturphilosophie nur bedingt über einen eigenen Methodenkanon verfügt und deshalb meist als angewandte Philosophie gelten kann.

Ein Großteil der gegenwärtigen naturphilosophischen Forschung befasst sich in und neben den genannten Bereichen schließlich mit der Geschichte der Naturphilosophie. In diesem Zusammenhang sind zahlreiche Einzelstudien, aber in neuerer Zeit keine umfassenden historischen Darstellungen erschienen.

Naturphilosophie verhandelt die Vieldeutigkeit und Wandelbarkeit des Naturbegriffs in erkenntnis- und wissenschaftstheoretischer wie auch kulturanthropologischer und ethischer Hinsicht.

Sie denkt nicht nur über die Natur als Referenzbegriff der Naturwissenschaften nach, sondern auch über die Natur als lebensweltliches Objekt und Orientierungskonzept.

So wird in wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht der Verlust der ’einen’ Natur als tragendem Grund und verbindlichem Orientierungsrahmen ernst genommen und zugleich der Gewinn neuer Perspektiven – der Mensch als Natur und die Natur als Umwelt des Menschen – reflektiert.

Wie der Begriff der Philosophie nicht in der professionellen Wissenschaft aufgeht, so wird auch der Ausdruck „Naturphilosophie“ mit nichtakademischen Konzeptionen und Strömungen verbunden.

Im Vordergrund stehen hierbei Fortführungen der sogenannten „New Age-Bewegung“ und ökologisch orientierte Reflexionen auf Natur.

Neben holistischen Naturtheorien und der von J. Lovelock und L. Margulis entwickelten Gaia-Theorie, die die Erde als Quasi-Lebewesen versteht, bildet der Spiritualismus (G. I. Gurdijeff, Rudolf Steiner und andere) den wichtigsten Anknüpfungspunkt für die New Age-Bewegung.

Ihr zufolge zeichnet sich in unserer Zeit der epochale Wandel vom gegensätzlich zum harmonisch verfassten Naturbild ab.

Ökologische Naturphilosophie ist als nichtakademische anzusehen, wenn sie sich als Teil politischer Bewegungen und als Anleitung zur individuellen Lebensgestaltung artikuliert wie bei der auf Arne Naess zurückgehenden „Deep Ecology“ und der besonders in den USA verbreiteten öko-feministischen Richtung (C. Merchant, V. Plumwood).

Im 21. Jahrhundert sind die Dimensionen der Wissenschaftstheorie und der Wissenspraxis im Hinblick auf ihren Erkenntnis- und Handlungsgegenstand Natur naturphilosophisch neu zu vermessen.

Die zunehmende biotechnologische Veränderbarkeit des Menschen, die ihn zunehmend aus der Natur herauslöst, und die scheinbar unbegrenzte Möglichkeit, die Natur als Umwelt des Menschen zu (re)konstruieren, mehr noch: die Technik zu renaturieren, machen dies erforderlich.

 

 

Naturphilosophie, die nach dem Vorbild der Naturwissenschaften agiert

 

Was aber ist das Problem an einer Naturphilosophie, die nach dem Vorbild der Naturwissenschaften agiert, „vernaturwissenschaftlicht“ wurde, wie Schwaetzer es nennt?

Er erläutert dies anhand der Unterscheidung von Genese und Geltung: Jeder habe in der Schule gelernt, dass die Innenwinkelsumme eines euklidischen Dreiecks 180 Grad betrage.

Dieser Satz habe Geltung, unabhängig davon, ob einzelne ihn in seiner Entstehung bei Euklid nachgelesen haben oder gar beweisen können.

Das Vertrauen auf Geltung mag in bestimmten Bereichen reichen, in anderen geht es nicht ganz so problemlos: Wenn wir in Bildungsfragen Verläufe und Entwicklungen ausblenden und uns nur auf die Produkte konzentrieren, verlieren wir den wesentlichen Aspekt des Werdens, die Genese, aus den Augen.

 

Genau von diesem Fokus auf die Produktseite sei jedoch unser Umgang mit der Natur bestimmt:

Ökologisch-naturwissenschaftlich interessiere uns heute etwa nur noch, wie wir Wälder nachhaltig bewirtschaften können. Wie unser Umgang als nachhaltig gelten kann.

Wir meinen, den großen und ständigen Entstehungsprozess von Natur nicht mitdenken zu müssen. Es ist demnach ein Denken über das, was von Natur am Ende übrig bleibt – was wir wirtschaftlich verwerten können.

Mit Blick auf den Geburtstag von Karl Marx weißt Schwaetzer darauf hin, dass dessen These zwar generell falsch sei, alle gesellschaftliche Verhältnisse seien auf ökonomische Produktionsverläufe zurückzuführen.

Als Gegenwartsbeschreibung tauge diese These jedoch leider ziemlich gut. Das treibt auch die Denker einer alternativkritischen Ökonomie an der Cusanus Hochschule um: Sie wenden sich gegen die Ökonomisierung aller Lebensbereiche.

 

 

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Doch was sind diese Genese-Zusammenhänge, die außen vor bleiben in der gegenwärtigen Naturphilosophie?

Wie sieht eine „Naturphilosophie nach dem Ende der Natur“ aus, wie der Titel der Summer School angibt?

Nach dem Ende der werdenden, lebendigen Natur, der natura naturans (von lat. nasci: geboren werden)?

 

 

Schwaetzer kann heute nur Andeutungen machen:

Um werdende Natur erfahren und denken zu können, werden wir andere Sprachen und andere Ohren brauchen, stellt er in den Raum. Für einen neuen Naturbegriff brauchen wir … erst einmal „ziemlich viel Begegnungsfläche“, etwa die Erfahrung eines Wasserfalls.

Schließlich stellt sich uns nicht zuletzt die Frage, wer wir eigentlich sind.

Ohne diese Frage zu ergreifen, werden wir die Natur nicht als Mitwelt, als Mitgeschöpf, denken können. Wir ringen also um die nächsten Meter. Aber immerhin tun wir es – und können es bei über fünfzig Teilnehmer*innen der Summer School auch gemeinsam tun.

 

 

Metaphysik der Natur

 

Mit der Entstehung der exakten Naturwissenschaften zu Beginn der Neuzeit und der von ihr betriebenen Kritik an spekulativen Methoden trennten sich die Wege von N. und empirischer Wissenschaft.

Kants transzendentalphilosophischer Ansatz brachte die erste N. hervor, die nicht mehr Philosophie der Natur sein wollte, sondern eher Metatheorie der Naturwissenschaften.

Seine »Metaphysik der Natur« sollte die apriorischen Anteile jeder empirischen Naturwissenschaft klären.

Die spekulative »romantische N.« Schellings im Übergang vom 18. zum 19. Jh. war hingegen wie die N. der Antike und des MA. eindeutig als Philosophie der Natur gedacht, sie war jedoch in keiner Weise identisch mit der Naturwissenschaft, die sich um eine zunehmende Objektivierbarkeit bemühte.

Schelling sah die Natur als organisches Ganzes (Subjekt) und zielte gerade auf ein Erkennen der empirischen Methoden unzugänglichen Anteile der Natur ab. Sein erkenntnistheoretischer Idealismus brachte einen absoluten, metaphysischen Naturbegriff hervor.

 

Die romantische N. geriet im Aufwind der exakten Naturwissenschaften in Verruf. Gegenwärtige synthetische N. und Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften:

Ein Neuaufleben der N. im 20. Jh. war v.a. der exakten Grundlegung ihrer Methoden und der konsequenten Einschränkung ihrer Ansprüche zu verdanken.

Ausgangspunkt dieses Neuansatzes war der Wiener Kreis des logischen Empirismus (M. Schlick, R. Carnap, O. Neurath, H. Reichenbach, u. a.), der die Überprüfung der semantischen Basis und der syntaktischen Zusammenhänge in naturwissenschaftlichen Theorien zum einzigen Bereich naturphilosophischer Tätigkeit erklärte.

Metaphysische Komponenten wurden hierbei als sinnlose Fragestellungen ausgeklammert. Die heutige Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften baut auf diesem analytischen Ansatz auf, aber sie fasst das Spektrum sinnvoller Fragestellungen weiter.

Ihr zur Seite steht eine synthetische N., die unter Einbeziehung von Aussagen der Naturwissenschaften die Klärung inhaltlich-philosophischer Fragen über die Natur anstrebt (z.B. Kausalität, Determinismus, Endlichkeit der Welt, Teleologie).

Diese neue N. ist gleichzeitig Philosophie der Natur als auch Philosophie der Naturwissenschaften. Ihre Fragestellungen beziehen sich direkt auf die Natur; bei den Antworten benutzt sie und stützt sie sich auf Ergebnisse und Argumente aus den empirischen Wissenschaften.

Sie reflektiert die naturwissenschaftliche Theorien- und Modellbildung und gewinnt auf diese Weise (theoriegebundene) Erkenntnisse über die Natur.

Als Philosophie (bzw. Wissenschaftstheorie) der Naturwissenschaften untersucht sie die Grundlagen und philosophischen Implikationen der empirischen Wissenschaften und ergänzt diese durch Meta-Betrachtungen, die nicht von den Naturwissenschaften selbst geleistet werden können.

Die Einbeziehung von Aussagen der empirischen Wissenschaften in der synthetischen N. überträgt den Vorläufigkeitscharakter der Naturwissenschaften auf die N., die sich somit immer nur auf ein hypothetisches Bild der Natur im Rahmen der bestehenden empirischen Wissenschaften beziehen kann.

 

 

Programmatisches zur Naturphilosophie.

 

Die naturwissenschaftlichtechnische Erforschung der Welt stellt seit dem Beginn der Neuzeit die gröfte Herausforderung für die Naturphilosophie dar.

In begrifflicher Hinsicht stützt das experimentelle Verfahren der Naturwissenschaften ein Weltverstandnis, das Natur als eingegrenzten Wirklichkeitsbereich und damit iiberhaupt in Frage stellt.

Kein Zustand oder Ereignis ist dem methodischen Zugriff der Naturwissenschaften im Prinzip mehr entzogen. Diese allumfassende, wenn auch nicht notwendig ausschließlich geltende Erkenntnisweise hat ihre eigentliche naturphilosophische Sprengkraft aber erst im letzten Jahrhundert entwickelt.

In diesem Zeitraum hat die Physik neue Dimensionen des Verständnisses für die Bereiche des ganz Großen und ganz Kleinen erschlossen sowie eine Revision der Grundbegriffe zur Erfassung der physischen Welt er zwungen.

Die traditionellen Grenzen der naturwissenschaftlichen Beschreibung und Manipulierbarkeit des menschlichen Denkens und Handelns sind seit etwa der Mitte des vergangenen Jahrhunderts von den Kognitionswissenschaften nachhaltig erschüttert worden.

In den letzten Jahrzehnten haben die Fortschritte der Gentechnologie offengelegt, welche tiefgreifenden Auswirkungen auf das menschliche Selbst- bzw. Naturverständnis schon beschränkte technische Eingriffe in die körperlichen und geistigen Lebensgrundlagen haben.

Die durch die Naturwissenschaften ermöglichten Umweltveränderungen - um nur noch einen weiteren naturphilosophischen Brennpunkt exemplarisch zu nennen - haben sich als eine vom Menschen zu verantwortende Bedrohung der naturalen Existenzbedlingungen herausgestelit, der man vermutlich nur durch gesellschaftliche Steuerungsmaßnahmen, für die jedes historische Vorbild fehlt, wird begegnen können.

Die jüngst erschienenen programmatischen Beiträge zur Naturphilosophie lassen sich als Zeugnisse für eine Zuspitzung der charakteristischen Grundkonstellation dieser Disziplin zu den Naturwissenschaften lesen.

Als gemeinsamer wie allerdings auch gegensätzlich bewerteter Bezug sind in allen Arbeiten die naturwissenschaftliche Erkenntnis und ihre technische Anwendung present.

Das ausgewählte Spektrum der in den vorliegenden Texten vertretenen Positionen reicht von einer weitgehenden Restriktion der Aufgaben der Naturphilosophie auf eine Interpretation von naturwissenschaftlichen Theorien über Vermittlungsversuche zwischen den als unabhängig voneinander angenommenen Wissensformen der beiden Disziplinen bis zur Annahme Inkommensurabilität.

Naturphilosophie wird teils als spezielle Richtung der theoretischen Philosophie verstanden, teils werden praktische Fragen aufgenommen, teils rücken ästhetische Erfahrungen von Natur ins Zentrum.

Nicht nur diese Vielfalt der Positionen, sondern auch die beeindruckende Anzahl von divergierenden Auffassungen, auf die die meisten Bücher zur Abgrenzung oder Formulierung ihres eigenen Standpunktes referieren, kann als Ausdruck einer verschärften naturphilosophischen Auseinandersetzung um die Aufgabenbestimmung der eigenen Disziplin gelten.

Michael Esfelds Einführung in die Naturphilosophie gehört wie die Bücher von Michael Drieschner und Renate Huber zu den an der naturwissenschaftlichen, genauer gesagt physikalischen Erkenntnis orientierten Arbeiten.

Esfeld nennt die in den hier besprochenen Neuerscheinungen mehr oder weniger geteilte Minimaldefinition von Naturphilosophie als die ,,Frage danach, was die Natur ist".

Einen ,,argumentativ nachvollziehbaren Weg, Erkenntnis von der Natur zu gewinnen", würden dabei allein die Naturwissenschaften bieten.

Mit Prägnanz finden sich unter dieser Vorgabe theoretische Problemstellungen bündig formuliert, übersichtlich präsentiert und plausibel ausgewählt.

Näher bestimmt sei Naturphilosophie Ontologie der Natur, die der Wissenschaftstheorie und der Philosophie der Technik benachbart sei.

Esfeld zeigt, in welchern Maß klassische ontologische Aussagen durch die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft modifiziert werden müßten.

Im Hinblick auf die wissenschaftliche Erfahrung stellt er zu Recht die Naturbegriffe von Aristoteles und Descartes als ,,die beiden wichtigsten Sichtweisen der Natur in der Philosophiegeschichte" heraus.

Während er sich der neuzeitlichen Aufhebung von Aristoteles' Trennung von Physis und Technik anschließt, bleibt Esfeld dem cartesischen Gegensatz von Ausdehnung und Denken in gewisser Weise verbunden.

Zu den Grenzen der Naturwissenschaft zählt er nämlich ihr Unvermögen, das ,,Verständnis von uns selbst als denkende und handelnde Personen zu erfassen auf diese Reichweitenbeschränkung führt er zurück, dass die Natur keine moralischen Rechte habe und Naturphilosophie ,,in erster Linie ein Teil der theoretischen Philosophie" sei.

Das der inhaltliche Schwerpunkt seiner Einführung auf der Philosophie der Physik liegt, erklärt Esfeld mit dem universellen Charakter dieser Disziplin, deren Theorien als einzige ,,alle Systeme in der Natur" einbegreifen würden.

Alles ,,naturwissenschaftlich erfragbare supervenient bezüglich der grundlegenden physikalischen Ebene".

Die Darstellung der Philosophie der Physik geht im wesentlichen in der Diskussion der Grundbegriffe von Raum, Zeit und Materie einerseits sowie der Philosophie der Quantenphysik (Quantenmechanik und etwas Quantenfeldtheorie) andererseits auf.

Erstere setzt treffend die klassischen Bestimmungen von Newton, Leibniz, Descartes und Spinoza mit denen der Relativitatstheorie ins Verhältnis.

Letztere bildet den Ausgangspunkt fur die Begründung einer Naturphilosophie der Relationen, die nicht zuletzt die Probleme der traditionellen naturphilosophischen und heute noch alltäglichen Betrachtung der Welt als Ansammlung unabhängiger Einzeldinge mit intrinsischen Eigenschaften zu lösen beansprucht.

Die Quantenphysik gestatte eine Weltbeschreibung, die nur durch Zustandsverschränkungen korrelierte Systeme verwende.

Obwohl sich sein Begriff der Naturphilosophie von der Wissenschaftstheorie abgrenzt, räumt Esfeld formalen Aspekten der naturwissenschaftlichen Theoriebildung einigen Platz ein (Naturgesetze, Kausalität, Emergenz, Reduktion, Supervenienz).

Demgegenüber nimmt sich das Kapitel über die Biologie (Theorien der Evolution und des Mentalen) eher schmal aus.

Die unerschöpfliche Vielfalt der naturphilosophischen Gegenstände (z. B. nicht physikalische Theorien und Objekte der Naturwissenschaften, Naturerleben, Naturasthetik, Naturethik), zu deren theoretischmethodischer Pluralität sich Esfeld durchaus bekennt, wird von einer Naturphilosophie, die sich auf Grundlegendes konzentriert, nicht erreicht.

Vergleichbar auf die experimentelle Erkenntnis ausgerichtet ist das unter dem Titel Moderne Naturphilosophie.

Eine Einführung überarbeitete und erweiterte Buch von Michael Drieschner (vorheriger Titel: Einfihrung in die Naturphilosophie, I98I).

Die thematische Eingrenzung signalisiert der Titel jetzt durch das Adjektiv ,,modern" und den Verzicht auf den bestimmten Artikel.

Dem gewachsenen wissenschaftsphilosophischen Interesse an den Lebenswissenschaften kommen die neuen Kapitel zu Leben, Geist und Wirklichkeit entgegen.

Damit deckt Drieschners Einführung thematisch etwas mehr als die von Esfeld und etwas weniger als die ähnlich orientierte, schon etwas altere Einführung Grundprobleme der modernen Naturphilosophie (I996) von Andreas Bartels ab, die die bei den beiden Neuerscheinungen nahezu vollständig fehlenden Themen Chaos und Umwelt jeweils in gesonderten Kapiteln behandelt.

Nicht die Kontinuitat einer bis in unsere Zeit vermeintlich gültigen Geschichte der Naturphilosophie, sondern der für die Gegenwart kennzeichnende Bruch mit den vormodernen Naturbestimmungen steht im Zentrum von Gernot Böhmes Die Natur vor uns.

Naturphilosophie in pragmatischer Hinsicht. Bei Böhme ist nicht von den theoretischen Errungenschaften die Rede, über die man sich bei Esfeld und Drieschner unterrichten kann.

Böhme gehört zu den Pionieren einer im Zeichen der ökologischen Krise stehenden praktischen und ästhetischen Neubegründung der Naturphilosophie.

Seine historische These lautet, dass die Natur ihre jahrtausendalte ,,Rolle eines verlässlichen Grundes" für das Selbstverständnis des Menschen bereits verloren habe.

Traditionell habe Natur als das Gegebene eine handlungsleitende verlässliche Ordnung bedeutet (ebd.).

In der Moderne sei diese Natur so weitgehend in die Verfügungsgewalt des Menschen geraten, dass sie von ihm nicht mehr als maßgeblich akzeptiert werde.

 

Die menschlichen Naturveränderungen haben Böhme zufolge keine nennenswerten positiven, sondern verheerende negative Auswirkungen:

Umweltkatastrophen, Naturzerstörungen, eine größere Abhängigkeit des Menschen von der Natur, eine dem Verständnis von Menschenwürde widerstreitende Auflösung der menschlichen Natur durch Pharmakologie, Reproduktions- und Transplantationsmedizin sowie Gentechnologie - um nur einige Stichworte des bedrohlichen Szenarios anzuführen.

Das moderne Selbstverständnis vollziehe sich durch Absetzung von der eigenen Natur, wobei die Tatsache verdrängt werde, da der Mensch zur Natur gehört bzw. selbst Natur ist.

In diesem ,,Wegsehen vom Menschen" erkennt Böhme den ,,Dreh- und Angelpunkt des Umweltproblems" (ebd.), das für ihn das zentrale Problem unserer Zeit darstellt.

Unter den Bedingungen der bereits irreversiblen, aber auch gesellschaftlich steuerbaren Naturveränderungen fordert Böhme nun die ,,Herstellung eines Naturzustandes, der in absehbarer Zukunft ein menschenwürdiges Dasein" ermöglichen soll.

Als theoretische Grundlage entwirft er eine ,,kritische Theorie der Natur", deren Begriffsbildung ,,das Gegebene als Gemachtes" konzipiert.

Dieses Programm beabsichtigt, die Naturveränderungen in vernünftige Bahnen zu lenken. Das dabei als Natur Anerkannte gilt als Unverfügbares, weil es durch Konvention als eigene Welt gesetzt ist oder sich dem menschlichen Zugriffprinzipiell entzieht.

Eine kritische Theorie der Natur hat nach Böhme strikt zwischen dem Leib und der Natur, die der Mensch nicht selbst ist, zu unterscheiden - eine Differenz, die auch den Inhalt des Buches gliedert.

Leiberfahrung sei als Selbsterfahrung ,,eine andere Erkenntnisweise der Natur, als sie in der neuzeitlichen Naturwissenschaft praktiziert wird.

Die angestrebte Integration von ,,der Natur vor uns" ins menschliche Selbstverständnis bedeutet fur die leibliche Natur im wesentlichen eine Einübung des leiblichen Spürens, die durch Kunst und Ethik gefördert werden kann.

Für die äußere Natur gibt Böhme Beispiele der Anwendung seiner okologischen Naturästhetik (in Bezug auf Bäume, Blumen, Tiere und Landschaften) und der humanen Gestaltung von zerstörter Natur (z. B. Projekt ,,Industrielles Gartenreich" bei Dessau, 193 Ef.).

In dem Maß, in dem Böhme in seinen Fallschilderungen auf Selbsterfahrungen und gelungene Herstellungen von Natur rekurriert, zeigt das Buch, dass die gegenwärtigen menschlichen Naturverhältnisse außer den destruktiven Potenzen auch die positiven der Kritik fördern.

Alle Autoren der neuerschienenen Werke tragen engagiert ein eigenes Konzept vom Begriff der Naturphilosophie vor, deren Spezifik indes nicht bei allen in die Titel ihrer Bücher eingeht.

Die diversen Programmatiken verbinden sich im unterschiedlich deutlich vorgetragenen Bemühen, an einem qualifizierten Naturbegriff festzuhalten.

In der begrüßenswert regen Debatte, die sich in den Publikationen reflektiert, finden sich viele wechselseitige Bezugnahmen, die für einen weiteren Diskurs zur erforderlichen Neuorientierung der Disziplin im Zeichen ihrer Herausforderung durch die Naturwissenschaften fruchtbare Ansatzpunkte bilden.

 

 

 

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