Die Entwicklung der Individualpsychologie (IP) - Ganzheitliche Tiefenpsychologie nach Alfred Adler - Die Naturheilpraxis Düren bietet gratis Beratung und Therapie an.

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Der plötzliche Tod Alfred Adlers 1937 versetzte vor allem in Deutschland und Österreich der Individualpsychologie einen schweren Schlag.

Adlers Schüler wurden von den neuen Machthabern verfolgt. Die aufblühende Tiefenpsychologie musste ihr Zentrum im deutschsprachigen Europa verlassen.

Die Diktaturen und der Zweite Weltkrieg haben die Entwicklung der psychologischen Wissenschaft nachhaltig gestört. Wie Jung arbeitete Adler einige Jahre eng mit Freud zusammen.

Bald entwickelte er jedoch eigene Ideen, die Freuds Annahmen widersprachen. Dabei verstand Adler sich nicht als Schüler Freuds – obgleich vierzehn Jahre jünger, sah er sich als gleichberechtigten Gesprächspartner.

Während Adler Freuds Leistung bei der Entwicklung einer „dynamischen Psychologie“ stets anerkannte, ging Freud in „Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“ (1914) mit Adler und Jung hart ins Gericht:

Beide hätten der Bewegung nichts Neues gebracht und wesentliche Entdeckungen der Psychoanalyse nivelliert – aus heutiger Sicht vor allem Ausdruck der Kränkung Freuds darüber, dass zwei seiner engsten Mitarbeiter sich entschieden, eigene Wege zu gehen.

In den letzten Jahren gab es tiefgreifende Veränderungen, z.B. das Psychotherapeutengesetz, in dessen Nachfolge das Adlerinstitut die staatliche Anerkennung erhielt.

Die Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und zum Erwachsenentherapeuten, aber auch die Weiterbildung zum Individualpsychologischen Berater und Supervisor haben ein hohes fachliches Niveau.

 

 

Die ganzheitliche Individualpsychologie begreift den Menschen am stärksten als soziales Wesen

 

Nach Adler ist das soziale Interesse die eigentliche und zwangsläufige Kompensation für all die natürlichen Mängel des individuellen Menschen.

Adler glaubt, dass das soziale Interesse angeboren, dass der Mensch von Natur und nicht erst durch Gewohnheit ein gesellschaftliches Wesen ist.

Der Begriff "Individualpsychologie" legt die Vermutung nahe, diese tiefenpsychologische Schule befasse sich vor allem mit dem Individuum, also mit dem Menschen als Einzelperson.

 

Nichts könnte falscher sein:

Von allen tiefenpsychologischen Schulen ist es die Individualpsychologie, die den Menschen am stärksten als soziales Wesen begreift und sein gesamtes Denken, Fühlen und Handeln aus seinen sozialen Bezügen zu verstehen sucht.

 

Aber warum nennt sie sich dann Individualpsychologie?

Weil sie die Ganzheitlichkeit und Unteilbarkeit der Persönlichkeit betont – im Gegensatz etwa zur Psychoanalyse, die das menschliche Fühlen und Handeln aus einem Kampf verschiedener "Instanzen" der Persönlichkeit erklärt.

"Dividere" ist das lateinische Wort für teilen; In-dividual-psychologie steht somit für eine Psychologie der unteilbaren Persönlichkeit.

Unglücklich ist die Namensgebung trotzdem, denn in ihrem Kern ist "die IP" gerade keine Psychologie des Individuums, sondern eine ganzheitliche Psychologie des Menschen und seiner sozialer Beziehungen.

Dennoch geht er davon aus, dass diese ererbte Prädisposition wie andere natürliche Fähigkeiten auch der Anleitung und Übung bedarf, um zur vollen Entfaltung zu gelangen.

Dies ist wohl auch ein Grund, warum er einen Großteil seiner Zeit der Einrichtung von Erziehungsberatungsstellen, der Verbesserung von Schulen und der Aufklärung der Öffentlichkeit über die richtigen Methoden der Erziehung der Kinder widmete.

 

 

 

Alfred Adler (1870 – 1937) - der Gründer der Individualpsychologie

 

Um die Individualpsychologie zu verstehen, muß man die Geschichte ihres Gründers kennen, weil Leben und Werk Alfred Adlers ein fast vollkommenes Ganzes bilden.

Vieles in diesem Lehrsystem sind Verallgemeinerungen und Theoretisierungen dessen, was in seinem Leben psychologisch eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Alfred Adler wurde am 7. Februar 1870 in Rudolfsheim, einem Wiener Außenbezirk, als zweites von sechs Kindern eines jüdischen Getreidehändlers geboren.

Er verbrachte den größten Teil seiner Kindheit in den Vororten von Wien, wo er mit nichtjüdischen Jungen spielte oder sich prügelte.

Die Eltern waren nicht so streng. Alle Berichte über Adlers Leben erzählen von seinen Eskapaden und Kämpfen mit Gassenjungen.

Dadurch wurde er notwendigerweise veranlaßt, die Rolle der Gruppe der Gleichaltrigen und der Geschwister bei der Formung der Persönlichkeit stärker zu betonen.

Adler selbst mißt seiner Kindheit für die Herausbildung seiner späteren Gedanken eine gewisse Bedeutung bei; er sagte einmal, seiner Gassenbubenkarriere verdanke er vieles, was er später im Leben und in der Wissenschaft habe brauchen können (nach Sperber 1983).

Er war während seiner Kindheit kränklich, - Rachitis und oft Erstickungsanfällen ausgesetzt. Als er drei Jahre alt war, starb sein jüngerer Bruder (Sperber 1983, S. 34).

Dieses Ereignis war für das kleine Kind der Anlaß, den Wunsch zu äußern, später Arzt werden zu wollen, um mehr über Krankheiten zu erfahren.

Im fünften Lebensjahr erkrankte er selbst an einer schweren Lungenentzündung. Die wenig bemittelten Eltern konnten ihm nur sehr wenig bieten. Adler fühlt sich von der Mutter abgelehnt, vom Vater aber beschützt.

Deshalb konnte er wohl die Idee des Ödipuskomplexes niemals akzeptieren. Seine intime Kenntnis des Wiener Dialekts machte es ihm möglich, als Mann aus dem Volk öffentlich zu sprechen.

Man kann daher verstehen, wie das Konzept vom Gemeinschaftsgefühl zum Mittelpunkt seiner Lehre wurde. Er hatte keine religiösen und kulturellen Bindungen an das Judentum, weil seine Eltern aus dem ungarischen Burgenland stammten und dort war die jüdische Tradition nicht ausgeprägt.

1904 ließ er sich sogar protestantisch taufen. Phyllis Bottome (Amerikanische Schriftstellerin) zufolge mißfiel ihm der Umstand, dass die jüdische Religion nur für eine ethnische Gruppe da war, und er zog es vor, "eine dem universellen Glauben der Menschheit gemeinsame Gottheit zu verehren".

Adler war kein besonders guter Schüler und nur mit Mühe gelangte er auf das Gymnasium, wo er mit der Mathematik Schwierigkeiten hatte.

Als der Lehrer seinem Vater vorschlug, Alfred vom Gymnasium zu nehmen und einem Schuster in die Lehre zu geben, ärgerte er sich so sehr, dass er sich wochenlang nur mit Mathematik beschäftigte.

Bei einer arithmetischen Aufgabe, die keiner zu lösen vermochte, meldete er sich und löste sie "triumphierend" (Prinzip d. Kompensation). Seither wurde Mathematik zu seinem Lieblingsfach, das ihm keine Schwierigkeiten mehr bereitete.

Er studierte Medizin, promovierte 1895 und eröffnete 1896 in einem ärmeren Viertel Wiens eine allgemeinmedizinische Arztpraxis. Während seines Medizinstudiums lernte er Raissa Tinofejevna (geb. 1873) Epstein, eine russische Studentin aus wohlhabendem Hause kennen.

Sie hatte eine liberale Erziehung genossen, war eine überzeugte Feministin und viel politischer und radikaler als Adler selbst. Ihr Einfluß auf ihn war sehr beträchtlich. Sie war eine glühende Sozialistin und mit Trotzki befreundet.

Sie war eine äußerst willensstark Frau. 1897 heiratete er Raissa Er beschäftigte sich zu dieser Zeit hauptsächlich mit der Sozialmedizin, der Hygiene und Prophylaxe im Gesundheitswesen.

1898 verfaßte er ein kleines Büchlein: "Gesundheitsbuch für das Schneidergewerbe". Darin betont er die gesellschaftlichen Ursachen der Krankheit.

Er klagt in dieser Schrift die zeitgenössische Schulmedizin an, die an der Existenz von sozial bedingten Krankheiten einfach vorbei sieht. (über 120 Jahre später hat sich daran scheinbar nichts geändert!? Sehr auffällig! Oder?).

Adler formulierte hier zum ersten Mal den Gedanken der Betrachtung des Individuums in Verbindung mit seiner Gesamtumgebung, der im Gegensatz zur Auffassungsweise der zeitgenössischen Psychologie stand.

In dieser Zeit entstanden auch seine Arbeiten zur Sozialmedizin, in denen ein starkes soziales Engagement zum Ausdruck kommt.

Ab 1902 gehörte er zu Sigmund Freuds "Psychologischen Mittwochsgesellschaft", er war damit eines der ersten Mitglieder dieser Runde, auch einer der wichtigsten und anregendsten Diskutanten.

Adler schrieb 1904 einen Aufsatz "Der Arzt als Erzieher". Darin verband er seine sozialmedizinischen Konzepte mit der Psychoanalyse. Er forderte die Erziehung der Erzieher als Prophylaxe der Neurosen.

"Die Erziehung sollte schon von Geburt des Kindes mit der Erziehung der Eltern beginnen. Das mächtigste Mittel der Erziehung ist Liebe, vorausgesetzt, dass sie unter alle Kinder gleichmäßig aufgeteilt und nicht im Übermaß gegeben wird.

Einer der schlimmsten unter den häufig gemachten Erziehungsfehlern ist die Verwöhnung der Kinder, weil sie sie um Mut und Selbstvertrauen bringt, aber es ist auch gefährlich, schwere Strafen anzuwenden.

Das Selbstvertrauen des Kindes, sein persönlicher Mut ist sein größtes Glück.

"Ab 1906 entwickelte er dann seine Lehre von der Organminderwertigkeit, wonach alle Neurosen auf organische Minderwertigkeiten und die Kompensation der selben zur Überwindung dieser funktionellen Ausfälle zurückzuführen seien.

1907 erscheint das Buch "Studie über die Minderwertigkeit von Organen", der erste Entwurf zu seiner späteren Lehre vom "Organdialekt". Dies war ein origineller Ansatz, der einige moderne Auffassungen der Psychosomatik vorwegnahm.

Er hatte zu einem sehr frühen Zeitpunkt einen Zusammenhang zwischen neurotischen und organischen Erkrankungen festgestellt. Allerdings vertrat er ein sehr reduziertes psychosomatisches Konzept:

Zwar führt ein minderwertiges Organ zur Neurose, aber neurotischen Konflikte führen bei Adler nicht zu Funktionsstörungen im Organismus. Das Verhältnis zwischen Psyche und Soma ist bei Adler also eine Einbahnstraße, die von heutigen modernen psychosomatischen Theorien überholt wurde.

Adlers Ideen wurden von Freud als eine wertvolle Ergänzung des Wissens über die Neurose aufgenommen. Ab 1908 wandte sich Adler gegen Freuds Grundidee von der Libido als Hauptquelle der Dynamik des Seelenlebens.

Er behauptete, es gebe einen Aggressionstrieb, den man nicht als Folge frustrierter Libido erklären könne; dieser spiele im normalen Leben wie in der Neurose eine nicht weniger wichtige Rolle als die Libido.

Adler verläßt den organmedizinischen Bereich und wendet sich einer erlebnispsychologischen Betrachtungsweise zu.

Er spricht nun von dem Gefühl der Minderwertigkeit und vom Protest gegen dieses Gefühl, dem männlichen Protest, ein aggressives Streben nach Überlegenheit, welches den Kern der Neurose ausmache.

Der männliche Protest war damit der Vorläuferbegriff des späteren Geltungsstrebens (heute würde man von narzißtischen Größenphantasien sprechen). Er beginnt eine Ich-Psychologie zu entwerfen.

Er spricht von Sicherungen, wo Anna Freud später von Abwehrmechanismen sprechen wird. Als nächstes setzt er sich mit dem Zärtlichkeitsbedürfnis des Kindes auseinander.

Es sei ein Gefühlskomplex und kein Trieb und entwickele sich aus dem Tasttrieb, Schautrieb und Hörtrieb. Es sei sozial gerichtet, im Unterschied zu Freuds Libido.

Die Befriedigung des Zärtlichkeitsbedürfnisses durch die Eltern kann verschoben werden auf den Lehrer und später auf die Gesellschaft. Viele seiner Gedanken werden durch die neuere Säuglingsforschung und auch durch die Bindungstheorie, die auf Bowlby zurückgeht, bestätigt.

Adler bleibt aber ebenso monokausal wie Freud und schüttete das Kind mit dem Bade aus: es gehe nur um die Aggression, das oben sein, das Macht ausüben wollen.

Wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten in der theoretischen Auffassung Freuds gegenüber, schied Adler 1911 aus diesem Kreis aus und gründete einen eigenen "Verein für freie psychoanalytische Forschung", den er 1913 in "Verein für Individualpsychologie" umbenannte.

1914 erschien die erste Nummer der “Zeitschrift für Individualpsychologie“. In einem Brief an Jung passierte Freud folgende Fehlleistung: „Adler bin ich endlos losgeworden“.

An Lou Andreas-Salomé schreibt Freud: "Der Brief zeigt seine (Adlers) Giftigkeit, ist sehr charakteristisch für ihn, ich glaube nicht, dass er mein von ihm gegebenes Bild Lügen straft. Reden wir deutsch: er ist ein ekelhafter Mensch.

"1912 veröffentlichte Adler sein Buch "Über den nervösen Charakter", das als Habilitationsschrift der Wiener Medizinischen Fakultät vorgelegt wird, die es aber ablehnt.

Adler, der ab 1914 Vorlesungen an der Wiener Volkshochschule hielt, wurde zum Kriegsdienst einberufen, während dessen er als Psychiater und Leiter eines "Barackenspitals" Dienst leistete.

Die Kriegserlebnisse hatten Adler in seiner prosozialen Einstellung bestärkt und ihn zu einem entschiedenen Gegner jeglicher Art von Machtkampf werden lassen.

1918 kehrte er aus dem Krieg zurück und gründete die erste Kinderberatungsstelle in Wien (insgesamt 28). Während der Jahre nach demKrieg entfaltete er eine rege publizistische Tätigkeit.

1924 folgte, mit Alice Friedman, L. Seif und Stefanie Horovitz, die Gründung der berühmten “Individualpsychologische Versuchsschule”.

1929 bekam Adler in den USA jene akademische Anerkennung, die ihm in Wien versagt geblieben war: Er wurde Gastprofessor an der “Columbia-University” in New York.

Im Jahre 1930 wanderte er auf Anraten seiner Freunde in die USA aus.

1932 erhielt er den Lehrstuhl für medizinische Psychologie am “Long Island College of Medicine” in New York.

Am 28. Mai 1937, als er sich in Aberdeen, Schottland, aufhielt, brach er plötzlich auf dem Weg zu einem Vortrag zusammen.

Kurze Zeit später starb er, 67 jährig, an Herzschwäche.

 

 

Der Mensch: Ein aktiv handelndes, Entscheidungen treffendes Wesen

 

Alfred Adler, einer der Psychoanalytiker der ersten Stunde, erweist sich als erstaunlich modern.

Damit ist nicht in erster Linie Adlers Einfluss auf die sogenannten Kulturalisten (Horney, Sullivan, Fromm) im 20. Jahrhundert gemeint, sondern die gute Passung seiner Kernideen vom Menschen mit den Ergebnissen zeitgenössischer Forschung.

Unbestritten wird dort der Mensch als ein primär und nicht hintergehbar soziales Wesen akzeptiert, dessen Suche nach Bindung ein Ergebnis seiner soziobiologischen Entwicklung ist.

Dass wir Menschen einander zum Überleben benötigen macht uns so beeinflussbar – im Guten wie im Bösen. Wie wir uns sehen, verhalten, denken ist Niederschlag der Reaktionen der anderen; zunächst der Mutter, immer aber auch der Gruppen, in die diese (wie auch der Vater) eingebettet sind.

So sah Adler den Sinn seines Wirkens ganz wesentlich in der Einwirkung auf „Gesellschaft“, indem er auf sie die Befähigung zum Miteinander zentrierte und Wege dazu in Erziehung, Schule und Gemeinden aufzeigte.

Doch wichtig ist nicht nur, wie schlüssig das Erklärungsmodell ist, das eine psychologische Schule anbietet, wichtig ist auch, wie es danach weitergeht: Ob sie also, ausgehend von ihrem jeweiligen Modell, zu praktikablen und nützlichen Handlungsempfehlungen kommt.

Denn für den Praktiker, gleich ob als Erzieher oder Therapeut, als Coach oder als Manager, zählt nicht allein der "Wahrheitsgehalt" eines psychologischen Modells, sondern fast noch mehr dessen Nützlichkeit und Praxistauglichkeit:

Hilft es uns, nicht nur schlüssige Erklärungen des beobachteten Verhaltens zu finden, sondern vor allem, daraus praktikable und umsetzbare Lösungsansätze abzuleiten?

Die Individualpsychologie hat hier viele nützliche Gedanken und Konzepte zu bieten, sodass sie sich nicht nur als Denkmodell für den privaten Lebensbereich anbietet, sondern auch und gerade für Abläufe und Veränderungsprozesse in Organisationen.

Für Adler gab es keine körperlichen oder seelischen Störungen, die nicht auch durch missglückte Beziehungen (Sozialmedizin) entstanden sind und in ihren Auswirkungen die Mitmenschen tangierten.

So gesehen ist Adler der Analytiker, dem eigentlich die Ehre zukommen müsste, die Gruppenanalyse entwickelt zu haben.

Seine Theorie und die frühen Ansätze zu therapeutischen Behandlungen in Gruppen stehen den Ideen Sigmund Foulkes sehr nahe, auf den sich die Vertreter der Gruppenanalyse heute in erster Linie berufen.

Foulkes sieht die Menschen verbunden durch eine „Matrix“, ein virtuelles Gewebe, in dem der Einzelne als eine Art Knoten vorstellbar ist.

Was Menschen in kollektiven Zusammenhängen tun, ist immer vor dem Hintergrund dieser Matrix zu verstehen. In Gruppen tun wir – im Guten wie im Schlechten – Dinge, die wir allein nicht täten und über die wir später mit Verwunderung und Unverständnis blicken.

Dies alles zu erleben hilft in der Gruppentherapie die Kunst des Zusammenspiels zu verbessern, aber auch auf „Gruppe“ einen distanzierenden Blick zu werfen.

Adler war der erste Tiefenpsychologe, der die Wichtigkeit der anderen gesehen hat für die Entwicklung des Menschen und für sein Bestehen in der realen Welt.

Gruppenanalyse ist eine logische therapeutische Umsetzung der Ideen Adlers.

Das Herangehen der Individualpsychologie ist dabei so zupackend, dass es Ungeübten zuweilen den Atem verschlägt: Sie bestreitet zwar nicht, dass wir zuweilen zwischen unterschiedlichen Zielen hin- und hergerissen sind, wie etwa zwischen dem Wunsch abzunehmen und der Lust auf eine Sahnetorte.

Aber sie schließt kategorisch aus, dass wir anders handeln als wir es gewollt haben.

Wenn wir also wieder mal den Verlockungen der Sahnetorte erliegen, dann nicht etwa, weil tief in uns ein Sahnetortentrieb existiert, der mächtiger ist als unser Wille, sondern weil wir selbst uns in der Stunde der Versuchung entschieden haben, dem kurzfristigen Tortenvergnügen Vorrang vor unserer langfristigen Schlankheit zu geben.

Es kann schon sein, dass wir uns nach dem Verspeisen der Torte plötzlich wieder an unseren Wunsch abzunehmen erinnern und dann bedauern, den Verlockungen der Torte nachgegeben zu haben.

Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir uns in der akuten Situation für die Torte und damit gegen das Abnehmen entschieden haben.

Hier waren keine finsteren Mächte am Werk, die uns die Kontrolle über unser Verhalten entrissen haben: Es war niemand anders als wir selber, der sich entschieden hat, im entscheidenden Moment zur Kuchengabel zu greifen und damit der Torte den Vorzug vor der schlanken Linie zu geben.

Unser schlechtes Gewissen nach dem "Sündenfall" beeindruckt Individualpsychologen wenig:

Sie deuten es unbarmherzig als den Versuch, uns selbst und der Umgebung vorzumachen, dass wir "eigentlich" ganz andere, weitaus edlere Absichten gehabt hätten und nur durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zum unschuldigen Opfer der heimtückischen Sahnetorte geworden sind.

Indem sie solche nachträglichen Schuldgefühle und Selbstbeschimpfungen als Ausreden und Alibis entlarvt, ist die Individualpsychologie zuweilen recht lästig, doch hat sie den großen Vorteil, dass sie uns nicht nur die Verschwendung unserer Zeit mit eigenen und fremden Ausreden erspart, sondern auch die Selbstvorwürfe und Minderwertigkeitsgefühle wegen unserer vermeintlichen Willensschwäche.

Wenn wir anerkennen, dass niemand anders als wir selbst sich so entschieden hat, wie wir uns entschieden haben, gewinnen wir die Freiheit, uns im Angesicht der nächsten Versuchung entweder anders zu entscheiden – oder wieder genauso.

 

Große Ankündigungen und Selbstverpflichtungen sind dabei entbehrlich:

Aus individualpsychologischer Sicht zeigt sich allein aus unseren Taten, wie wir uns entschieden haben – das heißt aus unserem Verhalten gegenüber der nächsten Sahnetorte, die auf geheimnisvolle Weise unseren Weg kreuzt.

Mit diesem robusten Pragmatismus erspart die Individualpsychologie uns Zeit und nutzlose Selbstquälerei – und sie schafft Klarheit.

 

 

Geschichte der Individualpsychologie

 

In der Mitte der dreißiger Jahre befand sich die Individualpsychologie international auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung:

in 13 verschiedenen Ländern der Erde gab es über 30 individualpsychologische Arbeitsgemeinschaften und Fachgesellschaften.

In großer thematischer Bandbreite befaßte sich damals die Individualpsychologie mit unterschiedlichen Arbeitsgebieten, wie Beiträgen zur Literaturpsychologie, zur Pädagogischen- und Medizinischen-Psychologie bis hin zu psychologischen Fragen des Strafrechts.

Bedingt durch die politischen Umbrüche in Europa, das Aufkommen von Austrofaschismus in Österreich und Nationalsozialismus in Deutschland, kam es jedoch zu einem jähen Niedergang der Individualpsychologie.

Eine Vielzahl ihrer hervorragenden Repräsentanten emigrierte in die USA, wo sie sich freilich nach Adlers Tod im Jahre 1937 kaum behaupten konnte, da zur gleichen Zeit hunderte von herausragenden europäischen Psychoanalytikern (Freudianer) ebenfalls in Amerika Fuß gefaßt hatten.

Sie gewannen einen nachhaltigen Einfluß auf die amerikanische Psychiatrie und brachten, als Weg- und Zeitgenossen Freuds, die Fülle von Vorurteilen und Animositäten mit, die in solchen Kreisen gegen Adler und der Individualpsychologie sehr verbreitet waren (Freud hatte nach seinem Zerwürfnis mit Adler im Jahre 1911 ein “Zitierverbot” gegen diesen erlassen und die Individualpsychologie in schärfster Form angegriffen).

Angesichts dieser Pressionen gingen die meisten der individualpsychologischen Ärzte, die in die USA emigriert waren, in den “Untergrund”. Nach außen hin gaben sie sich als “Freudianer” aus, verwendeten die psychoanalytische Phraseologie und vermieden es, Adler oder die Individualpsychologie auch nur zu erwähnen.

Insgeheim wandten sie die erlernten individualpsychologischen Methoden jedoch weiterhin an. Zu diesen sogenannten “Krypto-Adlerianern” ("geheim, verborgen") wird namentlich der bekannte individualpsychologische Theoretiker Wexberg gerechnet, der nach seiner Emigration in die USA aufhörte, sich zur Individualpsychologie zu bekennen.

Lediglich die individualpsychologischen Gruppen in New York (um Alexandra Adler) und in Chicago (um Rudolf Dreikurs) konnten sich während dieser Jahre behaupten.

Im Europa der Kriegszeit konnten sich lediglich die holländischen, Münchner und Wiener Gruppen einigermaßen behaupten. Sie standen unter starkem Druck, da sie eine "jüdische Wissenschaft” vertraten.

Eine gewisse Entlastung brachte die Tatsache mit sich, dass der Leiter des "Reichsinstituts für psychologische Forschung und Psychotherapie" M. Göring (ein Vetter Hermann Görings) vor der Machtübernahme Hitlers ein Schüler Seifs und Vorsitzender der Wuppertaler Arbeitsgemeinschaft für Individualpsychologie gewesen war.

Dadurch kam es zu einer gewissen Begünstigung der Individualpsychologen, die sich freilich nur "Gemeinschaftspsychologen" nennen und keinen Bezug auf Adler nehmen durften.

Nach dem Zusammenbruch der Naziherrschaft gab es lediglich in Holland, der Schweiz, in Wien und München organisierte Gruppen von Individualpsychologen.

Den deutschen Individualpsychologen war es aber nicht gelungen, sich in der weiteren Folge gegenüber den Freudianern und Jungianern zu behaupten und deshalb erfuhr die Individualpsychologie in der Bundesrepublik Deutschland zunächst einen nachhaltigen Niedergang.

O. Brachfeld begann Anfang der sechziger Jahre die Restaurierung der deutschen Individualpsychologie zu betreiben. Zusammen mit seinem Münsteraner Professorenkollegen W. Metzger, der von Hause aus ein berühmter Gestaltpsychologe war, gründete er 1964 die deutsche Alfred-Adler-Gesellschaft.

Im Oktober 1967 fanden in Aachen und Münster die ersten Fortbildungskurse statt.

Im Jahre 1970 gab sich die Gesellschaft einen neuen Namen: Die Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie (DGIP), die gegenwärtig mit Instituten in Aachen, Düsseldorf, Delmenhorst, Berlin Mainz und München Weiterbildungsangebote für Ärzte, Psychologen, Pädagogen, Lehrer und Sozialarbeiter anbietet, zum Psychoanalytiker, Psychotherapeuten, Kinder- und Jugend- Psychotherapie und Beratern.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat die DGIP über 1800 Mitglieder.

Die heutige Individualpsychologie in Deutschland führt als analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Beratung die theoretischen Prinzipien Adlers und deren praktische Anwendung weiter; sie steht in der tiefenpsychologischen Tradition der Psychoanalyse.

 

 

Menschenbild der Individualpsychologie

 

Der Mensch wird als im Grunde positiv betrachtet, als eine unteilbare Einheit und ein bewußtes Wesen, das ganzheitlich und zielgerichtet reagiert.

Die Individualpsychologie betont die Einmaligkeit der Person. Nach Adler ist der Mensch von Geburt an ein soziales Wesen. Ziel eines jeden Individuums ist demnach das Streben nach Überlegenheit (angeboren) und im positiven Sinne nach Selbstverwirklichung.

Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, dieses Ziel zu erreichen. Adler bezeichnet dies als den Lebensstil des Individuums. Störungen des Individuums sind nach Adler auf einen pathologischen Lebensstil zurückzuführen.

Er sieht generell die “Entmutigung” eines Individuums, vom Kleinkindalter an, als den stärksten Faktor der eine Entwicklungsstörung auslöst. Deswegen ist auch bei der Therapie das Symptom uninteressant und austauschbar.

Interessant ist (kausal gesehen) der Entmutigungsgrund. Es gibt drei wichtige Faktoren die eine Entwicklungsstörung auslösen könnten: Kinder mit Minderwertigkeitsgefühlen, verwöhnte Kinder und vernachlässigte Kinder (emotionales Mangelerleben).

Nach Adlers Auffassung sind es diese drei Bedingungen, die falsche Auffassungen von der Welt erzeugen und zu einem pathologischen Lebensstil führen.

Jeder Mensch besitzt jedoch grundsätzlich die Fähigkeit, seine Persönlichkeit, sein Erleben und Verhalten bei geeigneten Bedingungen, wie z.B. wertschätzender Zuwendung, Offenheit, Akzeptanz in einem Vertrauen aufbauenden und angstfreien psychotherapeutischen Setting oder in einer anderen hilfreichen zwischenmenschlichen Beziehung weiterzuentwickeln und zu entfalten.

Adler geht davon aus, dass im Laufe der Therapie der Patient immer mehr in die Lage kommt, seine Probleme selbst zu erkennen und zu lösen. Es wird die Selbsteinsicht des Patienten betont.

"Du kannst ein Pferd zum Wasser führen, aber du kannst es nicht trinken machen". Demnach ist der Patient selbstverantwortlich und kein Objekt einer Behandlung.

Er ist in der Lage seine eigenen Entdeckungen zu machen und eigene Schlüsse zu ziehen.

Die interaktiven Fähigkeiten eines Individuums, sowie die Selbstbestimmung seiner Ziele, Werte und Maßstäbe sind unabdingbare Voraussetzungen für das Gelingen jeglicher Psychotherapie und Konfliktbewältigung in zwischenmenschlichen Beziehungsformen.

Die individualpsychologische Lehre bedeutet Vertrauen haben in die Natur des Menschen, unabhängig seiner Abstammung und Rasse, die Gutes bewirkt und sich frei entfalten kann, wenn sie gefördert und unterstützt wird.

Dieses Menschenbild macht auch das begreifen sowohl des "Anderen", des "Fremden", als auch des "Eigenen", und des "Vertrauten" möglich.

 

 

Grundbegriffe der individualpsychologischen Persönlichkeitstheorie

 

Adlers zweiter entscheidender Beitrag zur Persönlichkeitstheorie ist sein Konzept eines schöpferischen Selbst (Creative self) - Personalisation.

Danach ist das Selbst ein hoch personalisiertes, subjektives System, das die Erfahrungen des Organismus interpretiert und ihnen Sinn verleiht.

Darüber hinaus ist es auf der Suche nach Erlebnissen, welche der Person zur Verwirklichung ihres einzigartigen Lebensstils verhelfen; wenn die Welt ihm keine solchen Erlebnisse bietet, so versucht das Selbst sie sich zu schaffen.

Ein drittes Merkmal, das Adlers Psychologie von der klassischen Psychoanalyse absetzt, ist die Betonung der Einheit und Ganzheit der Persönlichkeit.

Das Individuum ist unteilbar (individere). "Die Gegensätzlichkeit, die Bipolarität im menschlichen Denken und Handeln erscheint nur dann, wenn jemand sein Ziel nicht offen zugeben will" (Dreikurs, 1971, 80).

Schließlich machte Adler das Bewußtsein (consciousness) zum Mittelpunkt der Persönlichkeit und wurde dadurch ein Pionier in der Entwicklung der "ich-orientierten" Psychologie.

Der Mensch ist ein bewußtes Wesen. Er ist ein selbstbewußtes Individuum, das seine Handlungen in voller Bewußtheit ihrer Bedeutung für die eigene Selbstverwirklichung zu planen und leiten vermag.

Alfred Adlers Persönlichkeitstheorie läßt sich an ein paar Grundbegriffen, die das gesamte theoretische System tragen, darstellen.

 

Es sind dies:

1. Das Gemeinschaftsgefühl

2. Holismus

3. Organminderwertigkeit, Organdialekt

4. Der fiktionale Finalismus

5. Tendenziöse Apperzeption

6. Private Logik

7. Familienatmosphäre

8. Familienkonstellation

9. Das Streben nach Überlegenheit (Geltungsstreben)

10. Minderwertigkeitsgefühle und ihre Kompensation

11. Männlicher Protest

12. Das soziale Interesse

13. Der Lebensstil und Leitlinie

14. Lebensaufgaben

15. Das schöpferische Selbst.

 

 

1. Das Gemeinschaftsgefühl:

(„social interest“, „sozial feeling“) Gemeinschaftsgefühl ist von Adler als soziale Anlage definiert, die freilich im Laufe eines individuellen Lebens entwickelt werden muss.

- Gemeinschaftsgefühl als angeborenes Gegenmotive zum Macht- und Geltungsstreben.

- Gemeinschaftsgefühl als orientierend Einstellung im Streben nach oben.

- Gemeinschaftsgefühl als Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das Maß an Gemeinschaftsgefühl ist der wichtigsten Kriterium psychischer Gesundheit (Normalität).

- Gemeinschaftsgefühl und Selbstwertgefühl bedingen einander. Einfühlung, Kooperation und Ausrichtung.

- Gemeinschaftsgefühl auf ein größeres Ganzes samt zweckmäßigen Beiträgen zu demselben macht auch den Sinn des Lebens aus.

- Handlungen mit Gemeinschaftsgefühl liegen auf der „allgemein nützlichen Seite“ des Lebens.

 

Mit nützlich meint Adler die Interessen an der Menschheit im Allgemeinen; unnützlich dagegen der persönlichen Überlegenheit. (Maslow: Bedürfnispyramide)

 

 

2. Holismus

Mit Holismus wird die Lehre von der Ganzheit der Lebewesen (Körper und Seele) bezeichnet. Ganzheit ist mehr als Summe aller Teile (Gestaltpsychologie).

 

 

3. Organminderwertigkeit

Organschwäche, vererbt oder in Laufe des Lebens sich entwickelt. Organdialekt: Übergreifen aus einer Denk-, Gefühls und Willenssphäre z.B. des Willens zur Macht, auf eine zweite z.B. der Sexualvorgänge.

 

 

4. Der fiktionale Finalismus:

Unter den Einfluß von Hans Vaihingers philosophischer Lehre des sogenannten "idealistischen Positivismus" entwickelte Adler die These, dass der Mensch weniger durch seine vergangenen Erlebnisse, sondern durch seine Zukunftserwartungen motiviert wird (Finale oder teleologischer Ansatz vers. kausale Ansatz).

Diese Ziele sind subjektiv oder seelisch hier und jetzt als Strebungen oder Ideale gegeben, welche das gegenwärtige Tun und Lassen mitbestimmen. Wenn zum Beispiel jemand glaubt, dass es einen Himmel für Gerechte und eine Hölle für Sünder gibt, so wird dies Auswirkungen auf seine Lebensführung haben.

Die fiktiven Ziele waren für Adler die subjektive Ursache psychischer Geschehnisse. Die Individualpsychologie besteht auf der Unentbehrlichkeit des Finalismus für das Verstehen aller psychologischen Phänomene.

Adler glaubte jedoch, dass der gesunde Mensch sich vom Einfluß dieser Fiktionen lösen und der Realität ins Auge sehen kann, wenn die Notwendigkeit es erfordert -etwas, dessen der neurotische Mensch nicht fähig ist.

 

 

4.1 Grundformen der Finalität:

Nach Wexberg (1974) gibt es unterschiedliche Formen der Finalität, die nach den Grundkategorien der bewußten oder unbewußten Verankerung differenziert werden können (Titze 1979):

 

 

4.1.1 Im Unbewussten verankerte Finalitäten:

 

a) Biologische Finalität:

Sie schließt im Einzelnen alle jene ererbten bzw. "angelegten" Funktionen mit ein, die im Zusammenhang mit der biologischen Existenzsicherung einen bestimmten Zweck erfüllen. Dazu gehören unter anderem Instinkte und unbedingte Reflexe.

Diese Funktionen sind "unbewußt verankert", d.h. "automatisierte" finale Mechanismen, die der bewußten Kontrolle entzogen sind und ganz dem Zwecke einer optimalen Anpassung des Organismus an die grundsätzlich gefahrvollen Lebensbedingungen in der "körperlichen Welt" dienen.

Als Beispiel kann das Auge genannt werden, das sich reflexartig schließt, sobald die Gefahr seiner mechanischen Schädigung droht. Der Zweck dieses Reflexes ist die Sicherung des Auges vor mechanischen Schädigungen.

 

b) Personale Finalität:

Die "personale Finalität" umfaßt das spezifisch menschliche Ausgerichtetsein auf Fernziele, Endziele oder Ideale. Der Endzweck der "personalen Finalität" besteht daher in der Sicherung der persönlichen Lebensbewältigung, was subjektiv dem Streben nach einem positiven Selbstwertgefühl entspricht.

 

 

4.1.2 Im Bewussten verankerte Finalitäten:

a) Soziale Finalität:

In den Geltungsbereich der "sozialen Finalität" gehören im einzelnen alle Konventionen des menschlichen Zusammenlebens, Sitten und Gebräuche, Grenzen und Bedingungen des Schamgefühls, des Ehrgefühls usw., vor allem aber die Sprache und das mit ihr im Zusammenhang stehende logische Denken.

Der Begriff der "sozialen Finalität" ist weitgehend identisch mit demjenigen des "öffentlichen Lebensstils". Daraus folgt, dass ein Individuum das System der "sozialen Finalität" in der Phase der "sekundären Meinungsbildung" durch andere Individuen vermittelt bekommt, dies also eine Funktion "sozialen Lernens" ist.

 

b) Rationale Finalität:

Wexberg weist die "rationale Finalität" als eine aus der "sozialen Finalität" abgeleitete Form der Finalität aus. Gerade in diesem Bereich erfährt das spezifisch menschliche Vermögen, bewußt Pläne zu entwerfen, verschiedenartige Handlungsstrategien hinsichtlich ihrer jeweiligen Zweckmäßigkeit gegeneinander abzuwägen und gegebenenfalls zu verwerfen, seinen klarsten und eigentlichen Ausdruck.

"Rationale Finalität" beruht somit, im Gegensatz zu den anderen Formen der Finalität, auf dem Prinzip der Entscheidungsfreiheit des Menschen.

Entscheidungsfreiheit oder "Selbstbestimmung" stellen freilich keinen absoluten Begriff dar: der interferierende Einfluß der anderen Formen der Finalität ist, ob zwar in seiner Intensität beträchtlich schwankend, beständig vorhanden.

Deshalb sind die Entscheidungen, die ein Mensch "bewußt" und "aus Vernunftgründen" trifft, nicht nur Entscheidungen für etwas, sondern grundsätzlich auch Entscheidungen gegen die entsprechenden Tendenzen, die aus den Bereichen der biologischen, personalen und sozialen Finalität einwirken.

 

 

5. Tendenziöse Apperzeption

Das Zielgerichtete Verhalten des Individuums, das sich von der frühen Kindheit ausbildet, führt zu einer Auswahl (Selektion) und immer deutlicheren Tendenz des Interpretierens von Eindrücken und Situationen.

Wahrnehmung von Objekten und Ereignissen in immer derselben Art. Auf diese Weise macht das Individuum immer gleiche oder ähnlich Erfahrung und fühlt sich in seiner Weltsicht bestätigt.

 

 

6. Private Logik

In Anlehnung an Kants Lehre vom „logischen Eigensinn“ (sensus privatus) entwickelte Adler seine Konzeption der privaten Logik, die er als ein in sich geschlossenes „Bezugsystem“ beschreibt, in dem spezifische logische Gesetzlichkeiten vorherrschen sind (Weltbild).

 

 

7. Familienatmosphäre:

Unter "Familienatmosphäre" versteht Adler sämtliche jener Faktoren und Einflüsse, die seitens der engen Bezugspersonen eines Kindes (Eltern, Geschwister, Großeltern, andere Verwandte usw. einerseits und deren Beziehungen untereinander andererseits) auf das Kind einwirken.

Außerdem bezeichnet der Begriff "Familienatmosphäre" die "vorherrschende Stimmung", die "Wärme" oder "Kälte", die "Freiheit" oder "Bedrücktheit" usw., wie sie von den einzelnen Familienmitgliedern in deren subjektiven Modus erlebt wird und bei der Bildung des "Weltbildes" des Individuums eine entscheidende Rolle spielt.

Die Wirkung der Familienatmosphäre kommt sowohl auf der präverbalen -nonverbalen (primäre Meinungsbildungsphase) Ebene zum Tragen, als auch auf der verbalen Ebene (sekundäre Meinungsbildungsphase) und auch in deren Beziehung untereinander.

Daneben sind auch die Beziehungen von Bedeutung, welche die Kinder untereinander und Eltern zu den verschiedenen Kindern aufrechterhalten. Die Familien-atmosphäre läßt sich als solche deskriptiv hinsichtlich verschiedener typischer Merkmale wie folgt kategorisieren (nach Dewey):

 

 

a) Die ablehnende Atmosphäre

b) Die autoritäre Atmosphäre

c) Die repressive Atmosphäre

d) Die herabsetzende Atmosphäre

e) Die disharmonische (konkurrierende) Atmosphäre

f) Die überfürsorgliche (“verzärtelnde”) Atmosphäreg)

g) Die demokratische Atmosphärea)

 

 

Die ablehnende Atmosphäre:

Eltern lehnen ihre Kinder aus den verschiedenartigsten Gründen bewußt oder unbewußt ab (z.B. weil sie sich durch diese in ihrer Freiheit beschnitten fühlen oder weil die Kinder den Grund darstellen, mit einem ungeliebten Partner weiterhin zusammenbleiben zu müssen usw.) und zeichnen sich durch "harte" Erziehungsmaßnahmen aus ("Strenge").

Kinder: meist negatives "individuelles Apperzeptions-Schema" (in das Selbst-, Fremd- und Weltbild eingehen).

 

 

b) Die autoritäre Atmosphäre:

"Härte" und "Strenge". Der Unterschied zur ablehnenden Atmosphäre besteht jedoch darin, dass die Kinder nicht global abgelehnt und gehaßt werden. Sie werden geschont und angenommen, wenn sie sich dem elterlichen Willen beugen.

Kind: "autoritätshörig" (Heinrich Mann: "Der Untertan").

 

c) Die repressive Atmosphäre:

Zumindest ein Elternteil ist hier "zwanghaft". Im Gegensatz zur autoritären Atmosphäre, wo dem Kind ein gewisser Freiraum gegeben wird, wenn es sich den Regeln und Geboten angepaßt hat, kennt repressive Atmosphäre keinerlei Freizügigkeit und Nachgiebigkeit.

Zwanghafte Eltern setzen ausgesprochene "Dressurmethoden" ein (z.B. bei Nahrungsaufnahme, Reinlichkeitserziehung usw.). Die Dressate werden schon sehr früh dem Kind vermittelt durch die stets "nörgelnden Erziehungsmaßnahmen". Kind: "zwanghaft", "überangepaßt".

 


d) Die herabsetzende Atmosphäre:

Hier handelt es sich um eine Familienatmosphäre, die von der elterlichen Tendenz geprägt ist, die Kinder herabzusetzen, verächtlich zu machen bzw. durch eine andauernd negative Kritik zu entmutigen.

Auch "nörgelnder" Erziehungsstiel genannt. Höchstleistungen werden erwartet, Leistungsschwäche oder "Versagen" führen zu negativen Sanktionen.

"Sündenbock-Phänomen". Kind: Entmutigt, Minderwertigkeitsgefühle, die kompensiert werden in dem es andere Menschen kleiner zu machen versucht.

 

 

e) Die disharmonische (konkurrierende) Atmosphäre:

Zwischen den Eltern tobt ein beständiger Machtkampf, der deswegen nicht beigelegt wird, weil kein Elternteil auf die Dauer über den anderen, der sich "so was nicht bieten läßt", dominieren kann.

In der Regel sind beide Elternteile vor dem Hintergrund ihres Machtkampfes bemüht, die Kinder als ihre Verbündete zu gewinnen und die Kinder stehen so zu sagen "zwischen zwei Fronten". Kind: Tendenz zu rücksichtsloser "Ichhaftigkeit". Streben nach Macht über den Partner.

 

 

f) Die überfürsorgliche ("verzärtelnde") Atmosphäre:

Eltern, die wohlmeinend und pädagogisch interessiert sind, schaffen aus der Angst heraus, etwas falsch machen zu können, ein Klima des “overprotection” in der Hoffnung "das Beste für die emotionale Entwicklung des Kindes zu tun".

Das Kind lebt in einem "Treibhausklima" und einer Art von "Schlaraffenland". Wenn es nicht bekommt was es will, greift es zu unterschiedlichen Methoden (Schreien, Unlustgefühle zeigen, Krankheit, Angst) um die "weißen Riesen" herbeizuführen.

Diese Atmosphäre entspricht aber nicht der "wahren Wirklichkeit", so wie es in der Welt "draußen" aussieht. Kind: Entmutigt, Unsicher, Streben nach Sicherheit.

Psychosomatiker (draußen "schwarze Riesen". Psychotherapeut: "weiße Riesen"). Auch in Familien, wo das Kind in irgendeiner Weise körperlich oder geistig behindert ist oder aber einen schweren Schicksalsschlag erlitten hatte.

 

g) Die demokratische Atmosphäre:

Die demokratische Familienatmosphäre stellt das Ideal des individualpsychologischen Erziehungsstils dar.

An erster Stelle gehört dazu das Vermögen zwischen "Tat und Täter" (Dreikurs) zu unterscheiden, d.h. in der Lage zu sein, Kinder gleichbleibend Wärme, Liebe und Verständnis entgegenzubringen, auch wenn deren Handlungsweisen nicht positiv (erwünscht), sondern negativ sind.

Ein zweites wichtiges Kriterium besteht in der Fähigkeit, kein Kind besonders zu bevorzugen (und entsprechend keines zu benachteiligen), sondern alle Kinder gleich zu behandeln.

 

 

8. Familienkonstellation:

"Der Begriff der Familienkonstellation faßt verschiedene spezifische Interaktionsmuster zusammen, wozu an erster Stelle die Beziehungen gezählt werden, welche Geschwister innerhalb der sogenannten Geschwisterreihe untereinander aufrechterhalten" (Titze, 1979, S. 121).

Durch die Geburtenfolge, wird jedem einzelnen Kind eine definitive Rangpositionzugewiesen. Eine bestimmte Position, die ein Kind innerhalb seiner Geschwisterreihe einnimmt kann natürlich nicht als "Ursache" bestimmter Charaktereigenschaften oder gar Verhaltensstörungen aufgefaßt werden.

Es handelt sich hierbei vielmehr um eine der Konstituenten der Rahmenbedingungen "Milieu", zu der das Kind im Zuge seiner "primären Meinungsbildung" Stellung nimmt.

Es ist üblich, zwischen vier grundlegenden Positionen innerhalb einer Geschwisterreihe zu unterscheiden und alle weiteren Positionen lediglich als Varianten, Kombinationen oder Abwandlungen dieser vier Positionen anzusehen.

Es handelt sich dabei um die Positionen:

a. des Einzelkindes,

b. des Ältesten,

c. des Zweiten, d. des Jüngsten.

Gelegentlich können Kinder auch zwei Positionen einnehmen z.B. zweiter und jüngster sein. Oder es kann sich ein Kind für mehrere Jahre in einer bestimmten Position befinden und dann aufgrund der Geburt eines neuen Kindes in eine andere Positiongelangen.

 

 

a) Das Einzelkind:

Das Einzelkind ist ebenso wie das Erstgeborene stets "etwas Besonderes". So wächst das Einzelkind oft in einem wahren Paradies heran: trotz seiner Kleinheit und Hilflosigkeit braucht es sich nie ausgesprochen unsicher zu fühlen, da es ja die guten "weißen Riesen" hat, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen.

Gegenüber dem Erstgeborenen hat das Einzelkind zudem den unschätzbaren Vorteil, dass es nicht "entthront" wird, sondern stets im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bleibt (niemals in Wettbewerb-Situation).

(Adler: "Wettbewerbsgefühl gegen den Vater, weil er die harmonische Beziehung zur verwöhnenden Mutter stört"). Es ist jedoch nachdrücklich zu vermerken, dass Einzelkinder nicht immer in einer verwöhnenden Atmosphäre aufwachsen müssen (z.B., ungewünschtes oder nichteheliches Kind).

Oft sind sie auch "altklug", "kleine Erwachsene".

 

 

b) Das erstgeborene Kind:

Jedes erstgeborene Kind ist für eine bestimmte Zeit seines Lebens Einzelkind gewesen.

Somit hat es auch all jene Vorzüge genießen können, die mit dem Einzelkinddasein verbunden sind.

Daher kann auch die "Entthronung" einen "traumatischen Charakter" haben, der von solcher nachhaltigen Wirkung sein kann, dass häufig bestimmte Begleitumstände von der Geburt des Zweitgeborenen -im Erwachsenenalter- den Inhalt der frühsten Kindheitserinnerungen bilden.

In der Regel wird es alles daran setzen, den "Rivalen" nicht "hochkommen" zu lassen. "Ehrgeiziges Rivalisieren". Gelingt es ihm nicht, sich gegenüber dem "nachdrängenden zweiten" erfolgreich durchzusetzen, sind alle Voraussetzungen für eine in seinem späteren Leben wirksam werdende "mutlose Einstellung" gegeben.

 

 

c) Das zweitgeborene Kind:

Bedeutet für die Eltern einen "Routinefall", daher in der Regel weniger verwöhnt als Einzelkinder bzw. Erstgeborene. "Wettkampf" mit dem älteren, der gleichzeitig "Vorbild" ist.

Wenn der Altersabstand zum älteren relativ groß ist, resigniert er häufig und entwickelt in der "primären Meinungsbildungsphase" das Bild schwach und minderwertig zu sein.

Entwickelt Interessen auf anderen Gebieten als der Ältere (Berufswahl). Auch das zweitgeborene Kind ist nicht vor dem "traumatisierenden Erlebnis" der "Entthronung" sicher (in modifizierter Weise die Erfahrungen, die das Erstgeborene hatte).

"Weder die Rechte des Älteren noch die Vorteile des Jüngeren" (Dreikurs 1969). d) Das jüngste Kind: "Alle Kinder können entthront werden, aber niemals das jüngste". "Treibhausatmosphäre", "Nesthäkchen".

Das jüngste Kind erlebt sich nämlich innerhalb der Familienkonstellation als das kleinste, schwächste und abhängigste (Faktor der Entmutigung). "Appellative Verhaltensweisen".

Günstige Voraussetzung für den Erwerb sozialer Festigkeit ("Soziabilität", "soziale Intelligenz, gesunder Menschenverstand"). Sonderformen: Einziger Junge unter Mädchen.

Einziges Mädchen unter Jungen (Außenseiter Position, aber zugleich auch eine Herausforderung).

 

 

9. Das Streben nach Überlegenheit (Geltungsstreben)

Unter dem Begriff "Streben nach Überlegenheit" versteht man in der Individualpsychologie ein Streben nach Vollkommenheit und Vollendung. Dieses Streben läuft mit der seelischen Entwicklung parallel und ist eine innere Notwendigkeit des Lebens überhaupt.

Alle unsere Funktionen folgen dieser Richtung. Das Streben nach Überlegenheit oder Vollkommenheit ist nach Adler angeboren und trägt den Menschen von der Geburt bis zum Tod von einer Entwicklungsstufe zur nächsten, höheren.

Es ist das vorherrschende dynamische Prinzip der Psyche und kann sich in den verschiedensten Formen manifestieren. Jeder Mensch hat seine eigene konkrete Art Vollkommenheit zu erreichen oder dies wenigstens zu versuchen.

Während der gesunde Mensch Ziele anstrebt, die in erster Linie einen Bezug zur Gesellschaft haben (das Gemeinschaftsgefühl), strebt der Neurotiker nach hoher Wertschätzung seiner selbst bzw. Selbstachtung, Macht, Selbsterhöhung, also mehr nach egoistischen Zielen.

 

 

10. Minderwertigkeitsgefühle und ihre Kompensation:

Ausgehend von dem Gedanken des Zusammenhangs von Organminderwertigkeit (locus minoris resistencie) und der Kompensation (das Prinzip der Homeoestase)

- die Feststellung, dass ein Mensch mit einem defekten oder schwach ausgebildeten Organ oftmals versucht, die Schwäche zu kompensieren, indem er es durch intensives Training kräftigt-, erweiterte Adler diesen Ansatz insoweit, dass er alle Gefühle der Minderwertigkeit einschloß,

jene, die aus subjektiv empfundenen psychischer oder sozialer Unfähigkeit entstehen, wie auch solcher, die wirklicher körperlicher Schwäche oder Beeinträchtigung entstammen.

Später faßte er es allgemeiner und sagte, dass Minderwertigkeitsgefühle aus dem Gewahrwerden von Unzulänglichkeit oder Unvollkommenheit herrühren.

Nach Adler haben Minderwertigkeitsgefühle nicht als Zeichen für Abnormität zu gelten; sie sind vielmehr die große treibende Kraft der Menschheit und die Ursache jeglicher Verbesserung des menschlichen Schicksals oder der menschlichen Kultur überhaupt.

Nur bei bestimmten Fehlentwicklungen in der Kindheit, wie z.B. Verzärtelung oder Zurückweisung des Kindes, kann es zur Ausbildung eines Minderwertigkeitskomplexes kommen, der eventuell zur einen neurotischen Überkompensation des Überlegenheitskomplexes führen kann.

 

 

11. Männlicher Protest:

“Mit männlicher Protest ist eine kulturbedingte Gleichsetzung von Weiblichkeit mit Minderwertigkeit als festgehaltene Erfahrung aus der Kindheit gemeint” (Schmidt in Wörterbuch der Individualpsychologie, S. 271, 1985).

In patriarchalischen Kulturen wird das Merkmal “weiblich” negative beurteilt und der Träger dieses Merkmales folglich als minderwertig typisiert. Umgekehrt wird das Merkmal “männlich” so stark gewichtet, dass es in jedem Fall eine hohe Position auf dem Prestige Kontinuum einzunehmen vermag.

Demnach wird die als minderwertig angesehene Weiblichkeit protesthaft abgewertet, und zwar sowohl von Frauen wie Männern. Die weibliche Minderwertigkeit wird das fiktive Ideal einer übertriebenen Männlichkeit, einer männlichen Omnipotenz, gegenübergestellt.

Frauen wie Männer sind ausgerichtet auf diese entmutigende Fiktion. Frauen begreifen angesichts dieser Fiktion ihre Weiblichkeit als soziale Minderwertigkeit.

Nach M. Sperber (1983) ist der individualistische männliche Protest Neurose, der soziale männliche Protest hingegen eine wichtige und ihrer Wirkung überaus positiveund notwendige gesellschaftliche Erscheinung.

 

 

12. Das soziale Interesse:

Nach Adler ist das soziale Interesse die eigentliche und zwangsläufige Kompensation für all die natürlichen Mängel des individuellen Menschen. Adler glaubt, dass das soziale Interesse angeboren, dass der Mensch von Natur und nicht erst durch Gewohnheit ein gesellschaftliches Wesen ist.

Dennoch geht er davon aus, dass diese ererbte Prädisposition wie andere natürliche Fähigkeiten auch der Anleitung und Übung bedarf, um zur vollen Entfaltung zu gelangen.

Dies ist wohl auch ein Grund, warum er einen Großteil seiner Zeit der Einrichtung von Erziehungsberatungsstellen, der Verbesserung von Schulen und der Aufklärung der Öffentlichkeit über die richtigen Methoden der Erziehung der Kinder widmete.

 

 

13. Der Lebensstil und Leitlinie:

Der Lebensstil ist das Systemprinzip, durch welches die individuelle Persönlichkeit funktioniert; es ist das Ganze, das die Teile bestimmt. Lebensstil ist Adlers wesentliches idiographisches Prinzip, jenes, das die Einzigartigkeit der Person erklärt.

Jeder Mensch hat dasselbe Ziel: das der Überlegenheit, aber es gibt unzählige Wege, auf denen dieses Ziel angestrebt werden kann. Der eine versucht z. B. die Überlegenheit zu erreichen, indem er seinen Intellekt entwickelt; der andere lenkt alle seine Anstrengungen auf die Vollendung seiner Muskelkraft oder Schnelligkeit.

Das Verhalten eines jeden Menschen hat seinen Ursprung in seinem Lebensstil. Zu ihm muss passen, was er wahrnimmt ("tendenziöse Apperzeption"), lernt und behält alles übrige wird er ignorieren.

Der Lebensstil bildet sich in seinem Grundmuster während des Alters von vier oder fünf Jahren heraus, und von da an werden alle Erfahrungen diesem individuell einmaligen Lebensstil angeglichen und zunutze gemacht.

 

 

14. Die Lebensaufgaben:

Adler spricht im Allgemeinen von drei Lebensaufgaben, nämlich:

a) der sozialen Beziehungen zu anderen Menschen

b) dem Problem der Tätigkeit im Beruf

c) dem Umgang mit Ehe, Beziehung, Liebe und Sexualität

 

a) Die sozialen Beziehung und der Kooperation mit anderen Menschen ist die gesellschaftliche Aufgabe im weitesten Sinne.

Adler leitet aus der "Logik der Tatsachen (aus der Tatsache z.B., dass Menschen weder je allein gelebt haben, noch als einzelne existieren können) die "Logik des menschlichen Zusammenlebens".

Aus dieser Logik heraus sind alle Menschen, ob sie es wollen oder nicht zu sozialen Stellungnahmen und zu Antworten auf die unausweichlichen Fragen der Menschheit, seine Lebensart und seine Umwelt gezwungen.

 

b) "Die Berufsfrage,

das ist die Art und Weise, wie einer seine Kräfte der Allgemeinheit dienstbar" (Adler 1982) macht.

Dabei ist die Berufswahl nicht als ein einmaliges Ereignis zu verstehen, sondern es gilt als das Ergebnis der längerfristigen Interessenentwicklung im Sinne des Lebensstils (nicht ohne Grund ergreifen wir diese oder jenen Beruf.

Der Beruf sagt über unsere Lebensstil aus).

 

 

c) "Die dritte Frage,

die jeder Mensch lösen muß, ist nun die Liebes- und Ehefrage" (Adler 1982). Man kann diese Aufgabe auch als eine besondere Form der ersten Lebensaufgabe auffassen, denn hierbei kommt es darauf an, den anderen als Gleichwertigen, als Freund und Partner anzunehmen und wertzuschätzen.

Dabei ist es wichtig, dass jeder von Beiden in dem Gefühl leben kann, gebraucht zu werden, wertvoll und unersetzbar zu sein. Wer diese drei Lebensaufgaben zu seiner eigenen Zufriedenheit zu lösen in der Lage ist, hat das Gefühl der Zufriedenheit im Leben.

Wenn eine Lebensaufgabe nicht so gelöst werden kann, wie man es gerne haben möchte, muß es bei den anderen Lebensaufgaben kompensiert werden. Z.B.. kann Unzufriedenheit in der Beziehung kompensiert werden durch streben nach Karriere im Beruf.

 

 

15. Das schöpferische Selbst (Personalisation):

Im Wesentlichen behauptet die Lehre vom schöpferischen Selbst, dass der Mensch seinen eigenen Charakter macht. Er bildet ihn aus dem Rohmaterial der Erbanlagen und Lebenserfahrungen (Lebensstil).

"Die Vererbung stattet ihn nur mit gewissen Fähigkeiten aus. Die Umwelt liefert nur gewisse Eindrücke. Diese Fähigkeiten und Eindrücke und die Art und Weise, wie er sie <erlebt> -d. h., die Interpretation, die er diesen Erlebnissen gibt-, sind die Bausteine oder anders gesagt, seine Attitüde zum Leben, welche die Beziehung zur Außenwelt bestimmt" (Adler 1966, 76).

Adlers Konzeption vom Wesen der Persönlichkeit geht von der Vorstellung aus, der Mensch könne Meister und nicht Opfer seines Schicksals sein.

 

 

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 

Alfred Adler befasste sich als erster mit der Therapie von Kindern und Jugendlichen, woraus sich in der Individualpsychologie ein wichtiger konzeptioneller Schwerpunkt entwickelte.

Seit ihren Anfängen findet sie deshalb nicht nur Eingang in die Psychotherapie, sondern auch in Pädagogik, Erziehung, Beratung und andere Bereiche, in denen ein tiefenpsychologisches Verstehen mitmenschlicher Beziehungen wichtig ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie ist die einzige psychoanalytische Fachgesellschaft, in der neben Psychoanalytikern und analytischen Kinder- und Jugendlichentherapeuten auch Lehrer und Berater Mitglied sind.

Dies führt immer wieder zu einem fruchtbaren Austausch.

 

 

Grundzüge der individualpsychologischen Psychotherapie

 

Die individualpsychologische Behandlungstechnik, als analytische Psychotherapie, steht in der tiefenpsychologischen Tradition der Psychoanalyse.

Es ist eine psychotherapeutische Methode, die in ihren Grundzügen durch die kontrollierte Deutung des Widerstandes, der Übertragung bzw. Gegenübertragung gekennzeichnet ist, und durch die freien Assoziationen des Patienten im regredierten Zustand ermöglicht wird.

Im Folgenden sollen jedoch die individualpsychologisch spezifischen Aspekte der Psychotherapie, die zu den oben genannten Techniken der psychoanalytischen Behandlung hinzukommen, dargestellt werden.

 

1. Beziehungsherstellung:

Adler definiert die Psychotherapie als eine Übung in Kommunikation und eine Prüfung der Kooperation.

Für die individualpsychologische Vorgehensweise gibt es kein generell gültiges Ablaufschema, da die Behandlungsweise in erster Linie von den Bedürfnissen des Patienten und dem daraus resultierenden Charakter der Zusammenarbeit zwischen dem Patienten und dem Therapeuten abhängt (Beziehungsanalyse).

Als besonders wesentlich sieht es Adler an, dass der Therapeut schon beim ersten Kontakt darauf achtet, dass zwischen ihm und dem Patienten ein vertrauensvolles, partnerschaftliches und gleichberechtigtes Verhältnis entsteht.

In der ersten Sitzung berichtet gewöhnlich der Patient über den Grund seines Kommens. Es wird nach der speziellen Situation gefragt, in der die Problematik zum erstenmal empfunden wurde, sowie nach eventuell vorausgegangenen Therapieversuchen.

Dabei ist nicht nur das, was er erzählt wichtig, sondern auch, wie er es erzählt. Zur Anfangsphase einer jeden Therapie gehört auch, dass Therapeut und Patient ihre Erwartungen miteinander besprechen.

Darüber hinaus ist es auch wichtig, dass der Patient seine Therapieziele formuliert (was will er durch die Behandlung erreichen). Daran schließt sich die sogenannte individualpsychologische (paradoxe) Frage ("Vermeidungsfrage"):

"Was würden Sie tun, wenn Ihre Problematik plötzlich nicht mehr bestehen würde?", bzw. “was oder wie ändert sich Ihr Leben, wenn Sie ihr Ziel erreichen?”.

Aus der Beantwortung dieser Frage "wenn ich nicht mehr unter X leiden würde, täte ich Y", kann sich die erste Hypothese ergeben, nämlich: "Vielleicht arrangieren Sie X, um Y zu vermeiden".

Adler hat die Therapeutenrolle mit dem Sprichwort charakterisiert: "Du kannst ein Pferd zum Wasser führen, aber du kannst es nicht trinken machen" (zitiert nach Ansbacher und Ansbacher 1975).

Demnach hat der Therapeut die Aufgabe, den Patienten auf dem Weg seiner Selbstheilung zu ermutigen. Es soll dem Patienten geholfen werden, sich selbst zu helfen.

Ein Bestandteil der individualpsychologischen Therapie ist es, eine uneingeschränkte Offenheit der Gesprächsführung zu vereinbaren.

Zu den weiteren Dingen, die zu Beginn der Behandlung geklärt werden, gehören die Feststellung des Honorars, die Vereinbarung einer Frist, in der sich beide Partner Gelegenheit zu einer Prüfung einräumen (probatorische Sitzungen), ob sie glauben, auf Dauer erfolgreich miteinander arbeiten zu können.

Außerdem wird die Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Termine festgelegt.

 

2. Familienatmosphäre und Geschwisterkonstellation:

Hierbei ist wichtig, wie der Klient die Beziehung der Eltern zueinander und zu jedem der Kinder erlebt hat bzw. wie er die Beziehungen zu seinen Eltern und Ge-schwistern beurteilt.

Daneben werden auch die objektiv erfaßbaren Daten, wie der Altersunterschied zwischen Vater und Mutter, die Zahl der Geschwister, die Stellung des Patienten in der Geschwisterreihe und die Altersunterschiede zwischen den Geschwistern erfaßt.

 

3. Frühe Kindheitserinnerungen:

Bei den Erinnerungen an die Zeit, in der sich nach individualpsychologischer Auffassung Handlungsmuster im Sinne des Lebensstils ausgebildet haben, geht es darum, Hinweise auf frühere Lebensumstände und -einstellungen auszumachen.

Die Individualpsychologie geht davon aus, dass die aus dem Gedächtnis abrufbaren Erinnerungen nicht einfach eine Zufallsstichprobe aller möglichen früheren Geschehnisse darstellen.

Vielmehr wird angenommen, dass das Gedächtnis Ereignisse länger speichert, die auf der Linie dieser lebensstiltypischen subjektiven Erfahrungen und Anstrengungen liegen.

"Es gibt keine zufälligen Erinnerungen" (Adler, zitiert nach Ansbacher & Ansbacher 1975).

 

4. Die Traumdeutung:

Die Individualpsychologie geht davon aus, dass die Einheitlichkeit des Lebensstils dazu führt, dass Menschen im Wachzustand wie im Traum denselben Handlungsdispositionen und Bereitschaften unterliegen.

 

 

Das oberste Gesetz im Wachen, wie im Schlafen ist: das Wertgefühl des Ichs nicht sinken zu lassen! (Adler, zitiert nach Ansbacher & Ansbacher 1975).

Ausgehend von diesem Grundgedanken der Einheit von Wach- und Traumbewußtsein, besteht die Traumdeutung im Übergang vom manifesten zum latenten Trauminhalt (assoziierte Gedanken, Erinnerungen und emotionale Einstellungen).

Die Traumdeutung ist eine gemeinsame Tätigkeit von Patient und Therapeut.

 

 

5. Tageslaufanalysen:

Die Tageslaufanalyse gehört nicht zu den klassischen Methoden der Individualpsychologie. Als Ergänzung zur Traumanalyse gibt sie aber sehr genau Auskunft darüber, welchen Stellenwert jemand den Aufgaben seines Lebens (Liebe und Sexualität, Freundschaft und soziale Bindungen, Arbeit und Beruf) im Querschnitt seines Alltags einräumt (vergl. Titze 1979).

 

 

6. Der Lebensstil:

Im nächsten Schritt werden die diagnostischen Hypothesen, die sich in Gesprächen zwischen Patient und Therapeut bewährt haben, geordnet und als Antworten auf folgende Fragen zusammengefaßt:

(1) Welche Einstellung habe ich (der Patient) zu "den anderen"

a) zu meinen ersten Bezugspersonen und zu Autoritäten

b) zu meinen Geschwistern und Gleichaltrigen

c) zum anderen Geschlecht?

 

(2) Welche Einstellung habe ich zu mir selbst und zu den Rollen, die ich spiele?

 

(3) Wie bewerte ich meinen bisherigen Lebensweg, und welchen Eindruck habe ich von den Aufgaben, vor die ich mich gestellt sehe?

(4) Welche Mittel setze ich zur Zielerreichung ein?

Im Zusammenhang betrachtet, ergeben die Antworten auf diese Fragen, die einmalige Konstellation der Person, nämlich das, was die Individualpsychologie den Lebensstil des Individuums nennt: die für diese Person charakteristische Art und Weise, die von ihr erlebten Mangellagen zu überwinden.

Dadurch soll der Patient zu einer gesteigerten Selbsteinsicht gelangen, die nach dem Verständnis der Individualpsychologie der erste, unabdingbar notwendige Schritt zum anderen Umgang, wie bisher, mit sich selbst führt.

Um diese einmalige Sosein des Patienten noch besser zu verstehen, kann die Frage nach seinem Lieblingsmärchen weiter helfen:

Individualpsychologisch kann das Märchen verstanden werden als relativ ursprüngliches und damit dem unbewußten Erleben noch sehr nahes Phänomen symbolischer Selbstdarstellung des Menschen und seiner frühen, dem Wunschdenken noch sehr verhafteten Bewältigungsversuche der Welt, des Lebens und seiner Schwierigkeiten gegenüber.

Während sich die Einseitigkeit subjektiver Erinnerungen, Wünsche und Erfahrungen des früheren Lebens in der therapeutischen Gegenwart oft nur schwer, manchmal auch gar nicht überzeugend aufweisen läßt, bietet das Märchen mit seiner Weiterentwicklung und Lösung dagegen eine ermutigende Möglichkeit der therapeutischen Korrektur der tendenziösen Erinnerung und damit auch der tendenziösen Apperzeption der Gegenwart.

Das gemeinsame imaginative Durcharbeiten des ganzen Märchens und die anschließende Deutung seiner Symbolik im Bezug auf den Lebensstil des Patienten und seiner tendenziös entstellenden Erinnerungslücken, können eine spürbare therapeutische Entwicklung in Gang bringen.

Das Ziel der individualpsychologischen Therapie ist letztendlich ein mehr an Gemeinschaftsgefühl mehr Partnerschaftlichkeit im Denken, Fühlen und Handeln zu erreichen.

 

 

Adler definiert dieses Ziel mit dem Satz:

"Mit den Augen eines anderen -des Patienten- zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hören, mit dem Herzen eines anderen zu fühlen" (zitiert nach Ansbacher & Ansbacher 1975).

 

 

7. Lebensstiltypisches Problemlösungsverhalten:

Erkenntnisse können recht unvermittelt neben bisherigen Handlungsimpulsen stehen, daher wird versucht, dem Patienten klar zu machen, dass es einfach nicht stimmt, sich in einer bestimmten Situation so und nicht anders zu verhalten.

Er wird vielmehr darauf verwiesen, dass er zur Erreichung bestimmter Ziele dazu neigt, Situationen so und nicht anders wahrhaben zu wollen und dementsprechend handelt.

Dieser Abschnitt der Therapie hat zum Ziel, gemeinsam mit dem Patienten den scheinbar vorprogrammierten, unbewußten und quasi ohne eigenes Zutun ablaufenden Reaktionsmechanismus kritisch zu reflektieren und die aktiven, in keiner Weise starren Elemente des Verlaufs zu betonen.

 

 

a) Flucht in die Krankheit

 

8. Gewollte und ungewollte Konsequenzen des Handelns:

Ein wichtiger Grund dafür, dass die Ziele, die ein Individuum bewußt anstrebt, nicht erreicht werden können, liegt darin, dass sich andere, vom Individuum nicht erkannte (unbewußte) Ziele zwischen den Vorsatz und dessen Ausführung schieben.

Weiterhin kommt es oft vor, dass jemand seiner Meinung nach ein Ziel fest ins Auge gefaßt hat, vor dessen notwendigen Begleiterscheinungen und Konsequenzen jedoch ebenso fest die Augen verschließt.

Die nötigen Maßnahmen, die ihn diesem Ziel näher bringen können, werden nicht oder nur ungenügend ergriffen oder fallen "zufälligen" Verhinderungen zum Opfer.

Die Therapie hat hier die Aufgabe, mit dem Patienten zusammen zu prüfen, ob er das Ziel, auch wenn der Weg dahin oft mühsam ist, anstreben will oder ob er nur einem Traumziel nachhängt.

Als regelmäßige Begleiterscheinung des Illusionismus findet man den Perfektionismus.

Der Perfektionist benutzt den Trick, sich selbst und den anderen die Aufgabe, die er sich selbst stellt, als eine dermaßen großartige darzustellen, dass er einerseits der Bewunderung seiner Umwelt gewiß sein kann und damit sein überhöhtes Selbstwertgefühl aufrechterhalten kann.

Andererseits sichert er sich dadurch so viele Gründe für das Nichterreichen seines Zieles, dass er für sein Versagen vor sich und den anderen genug Entschuldigungen parat hat, und keine Verantwortung zu übernehmen braucht.

In dieser Phase der Therapie werden den bewußten Zielen die tatsächlich erreichten Ziele gegenübergestellt, um so die unbewußten Ziele zu erkennen und die eingesetzten Mittel auf diesem Hintergrund zu überprüfen.

Die kritische Reflexion verborgener ichhafter und/oder überhöhter Ziele selbst gesetzter aversiver Stimuli bzw. selbst herbeigeführter Entmutigungssituationen ("Arrangements") soll von dem Patienten selbst erkannt und beseitigt werden.

In dieser Phase der Therapie geht es auch um "Selbstentdeckung" des Patienten.

Die Entdeckung des eigenen Wertes, eigener neuer Möglichkeiten und Ziele.

Dazu ist die ständige Auseinandersetzung mit den realen Konsequenzen der Handlung erforderlich. Welche inhaltlichen Ziele sich der Patient in diesem Abschnitt der Therapie setzt, muß seine eigene Entscheidung bleiben.

Hierbei spielen die partnerschaftlichen Beziehungen, wie sie sich bis zu diesem Zeitpunkt zwischen Patient und Therapeut entwickelt haben, neben der Art und Weise, wie die Umwelt auf die beginnende Verhaltensänderung reagiert, eine entscheidende Rolle.

Der Therapeut muß sich konsequent auf die Seite des Patienten stellen und ihn so ermutigen, dass er sich offen, d.h. ohne zusätzliche Sicherungen, auf seinen Kommunikationspartner, auf sich selbst und auf die vor ihm stehenden Aufgaben einläßt.

Offenheit ist die Grundbedingung jeder wirksamen Verständigung und Problemlösung.

Durch die Selbstentdeckung kommt der Patient zu einer realitätsangemesseneren Einschätzung des Selbstwertes, was konkretes Handeln dadurch begünstigt, dass er nicht mehr auf die ständige Bewunderung der sozialen Umwelt ausgerichtet ist.

Das Anspruchsniveau orientiert sich an den eigenen realen Möglichkeiten, dessen Gütemaßstab nicht mehr an der absoluten Vollkommenheit, sondern an der sachlichen Problembewältigung orientiert ist; unabhängig vom Beifall der Umwelt existiert und in manchen Fällen auch gegen die Meinung der anderen durchgehalten werden muß.

 

 

9. Beendigung der Therapie:

Das Ende der Therapie wird nicht vom Therapeuten festgesetzt, sondern basiert auf der Feststellung des Patienten, dass er “auf seinen Weg” gelangt ist und nun in der Lage ist, seine Probleme ohne die (regelmäßige) Unterstützung des Therapeuten zu bearbeiten.

Der Therapeut ermutigt den Patienten, nun seinen Weg alleine zu gehen zu versuchen.

 

 

 

Wenn Sie weitere Fragen haben oder mich näher kennlernen möchten, rufen Sie gern an oder besuchen Sie mich in der Praxis, meine Beratungsgespräche sind kostenfrei.

 

Ich freue mich auf Sie.

 


Herzliche Grüße,

 

Ihr Alternativmediziner, Ganzheitsmediziner, Naturheilkundler und ganzheitlicher Individualpsychologe Arndt Werner Leonards.

 

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